Die Organspenderzahlen sind niedrig. Und bleiben es. Ein Gesetzesantrag spricht sich für die Widerspruchslösung aus. Doch es gibt auch viel Kritik – unter anderem von den Kirchen.
In einer Anhörung im Bundestag haben viele Sachverständige einen fraktionsübergreifenden Gruppenantrag kritisiert, mit dem die Zahl der Organspender erhöht werden soll. Es gab ethische Bedenken gegen die sogenannte Widerspruchslösung, bei der jeder als Spender infrage kommt, der nicht ausdrücklich widerspricht. Bisher gilt in Deutschland eine Zustimmungslösung. Nur derjenige kommt als Spender in Frage, der zu Lebzeiten einer Organentnahme ausdrücklich zugestimmt hat. Eine Abstimmung über den Antrag ist in dieser Legislaturperiode nicht mehr vorgesehen.
Die katholische und evangelische Kirche lehnen in ihrer gemeinsamen Stellungnahme den Vorschlag ab. “Bei der Regelung der Organspende sollte – wie der Begriff schon ausdrückt – der Charakter einer freiwilligen Organspende im Sinne einer bewusst und höchstpersönlich getroffenen eigenen Entscheidung erhalten bleiben”, heißt es in der Stellungnahme. Noch kritischer äußerte sich der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock. Aus seiner Sicht würde eine Widerspruchslösung “der guten Sache Organspende massiv schaden”.
Unterstützer der Reform, darunter die Deutsche Stiftung Organspende und die Bundesärztekammer, versprechen sich dadurch mehr Organspender, die dringend benötigt würden. Dem Ausschuss liegt auch ein Antrag der Bundesländer für die Einführung einer Widerspruchslösung vor.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte die Bundestagsabgeordneten auf, auf eine Neuregelung der Organspende vor der Bundestagswahl zu verzichten. “Am Ende der Legislaturperiode darf es keinen ethischen Ausverkauf geben”, sagte Vorstand Eugen Brysch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Es sei ein Irrglaube, dass allein die Widerspruchslösung zu signifikant mehr Organspenden führe. Schließlich erhöhe die Regelung nicht die Zahl von Hirntoten.
Anstelle einer Neuregelung forderte Brysch, die vor fünf Jahren beschlossenen Maßnahmen zur aktuell geltenden Zustimmungslösung umzusetzen, etwa die Anbindung der Pass- und Ausweisstellen an das Organspende-Zentralregister. Zudem plädierte er für stärkere finanzielle Anreize für Krankenhäuser.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation verharren die bundesweiten Organspendezahlen “weiterhin auf niedrigem Niveau”. 953 Menschen haben im vergangenen Jahr nach ihrem Tod Organe für eine Transplantation gespendet. Den insgesamt 3.013 Organen, die 2024 nach postmortaler Spende aus Deutschland und dem Eurotransplant-Verbund übertragen wurden, stehen in Deutschland 8.260 Menschen gegenüber, die auf Spenderorgane warten.