Von schunkelnden Shanty-Chören bis in den Techno-Club – das Akkordeon ist ein sehr facettenreiches Instrument. 2026 wird es als „Instrument des Jahres“ ausgezeichnet. „Die meisten Menschen denken wahrscheinlich an französische Chansons oder Shanty-Musik, wenn sie ein Akkordeon sehen – aber das Instrument kann noch so viel mehr“, sagte Schleswig-Holsteins Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU) am Mittwoch in Kiel. Seit 2024 ist sie Schirmherrin des Projekts „Instrument des Jahres“, das jedes Jahr ein anderes Instrument in den Fokus rückt. In Schleswig-Holstein wurde der Akkordeonspieler Nenad Nikolić musikalischer Botschafter.
Das Akkordeon habe etwas ganz Traditionelles, es verbinde gleichzeitig Heimat mit Fernweh. Dazu würden seine warmen Klänge für Gänsehaut sorgen, beschrieb Kristina Herbst das diesjährige Instrument des Jahres. Die Töne eines klassischen Akkordeons entstehen durch freischwingende Metallzungen. Sie werden von der Luft bewegt, die vom Balg in der Mitte des Instruments in Bewegung gesetzt wird. Knöpfe und Tasten am Instrument öffnen zusätzlich Ventile und verändern so die Tonhöhen.
„Dass die Töne durch die Luft entstehen, lässt sie so organisch werden“, sagte Nikolić. Der 39-Jährige ist selbstständiger Musiker und unterrichtet am Hamburger Konservatorium. Mit dem Akkordeon ist er in dritter Familiengeneration verbunden. Die drei vielseitigen Kanäle machen es zu seinem absoluten Lieblingsinstrument. „Mit der rechten Hand spiele ich Melodien, dann gibt es links den Einzeltonbass und die Akkordreihe – und gleichzeitig ist man trotzdem mobil und hat eine freie Stimme, um zu singen oder zu reden.“
2018 ist Nikolić auf elektronische Akkordeons umgestiegen und hat schnell eine neue, bis dato unentdeckte Weise kennengelernt, wie so ein Akkordeon genutzt werden kann. „Ein E-Akkordeon hat im Inneren Sensoren, die Luft strömt nur noch provisorisch durch das Instrument“, erklärte er. Werde es auseinander gebaut, sehe es mehr aus wie ein alter PC. Dadurch könne das Instrument so eingestellt werden, dass auch klubreife Technomusik darauf spielbar sei. Seitdem verbindet er traditionelle Akkordeonklänge mit technischen Beats und ist in mancher Nacht live in der „Techno-Untergrund-Scene“ zu hören.
In der Nacht vom 14. auf den 15. Februar wird Nikolić beispielsweise im Hamburger Club „Fundureau“ auftreten. Ein anderer Tipp, um das Instrument des Jahres live zu hören, sei beispielsweise das Konzert des Kieler Akkordeonorchesters am 14. März (17 Uhr) in Kronshagen. Beim Tag des Akkordeons in Neumünster am 13. und 14. Juni könne das Instrument zudem gehört und bei Workshops getestet werden.
Bei der Auswahl für das Instrument des Jahres werde immer auch auf Wandelbarkeit geachtet. „Wir wollen die Vielfalt eines Instruments aufzeigen“, sagte Hartmut Schröder vom Landesmusikrat Schleswig-Holstein. Dafür sei das Akkordeon eine tolle Wahl. „Und trotzdem hätten alle Musiker dabei das gleiche Ziel: Musik machen“, sagte Schröder. Der Landesmusikrat Schleswig-Holstein kürt seit 2008 jedes Jahr ein Instrument des Jahres.