Seit 1.000 Tagen tobt der Bürgerkrieg im Sudan. Die Kämpfe haben die größte Vertreibungswelle der Welt ausgelöst. Humanitäre Helfer blicken mit großer Sorge auf das nun kommende Jahr.
Nach 1.000 Tagen Bürgerkrieg verschlimmert sich die humanitäre Krise im Sudan weiter. Der Konflikt habe die weltweit derzeit größte Vertreibungskrise ausgelöst, erklärte die UN-Organisation für Migration IOM am Freitag in Genf. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef geht für das nun kommende Jahr von steigendem Hilfsbedarf aus. Eine Konferenz der Geberländer ist für den dritten Jahrestag des Kriegsausbruchs im April geplant.
Nach Angaben der IOM wurde seit Beginn der Kämpfe im April 2023 fast jeder dritte Einwohner des Sudans vertrieben. Im Durchschnitt habe jede Woche fünf Mal ein Ereignis eine neue Flucht ausgelöst. “Tausend Tage Konflikt haben den Menschen im Sudan unerträgliche Opfer abverlangt”, sagte IOM-Generaldirektorin Amy Pope. Hinter jeder Zahl stehe eine Familie, die Kinder schützen, ihre Würde bewahren und mit fast nichts überleben wolle.
Seit dem 15. April 2023, als der Machtkampf zwischen rivalisierenden Generälen begann, registrierte die IOM im Sudan demnach 743 Vorfälle, die Menschen zur Flucht zwangen. Davon waren 524 konfliktbezogene Ereignisse und 219 Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Brände. Insgesamt wurden 11,6 Millionen Personen innerhalb des Sudan vertrieben, etwa 4 Millionen suchten im Ausland Schutz. Auf dem Höhepunkt des Konflikts lebten 15 Prozent aller Binnenvertriebenen weltweit in dem ostafrikanischen Land.
Aktuell sind laut IOM noch immer über 9,3 Millionen Menschen im Land selbst auf der Flucht. Rund 3 Millionen kehrten nach den Angaben in ihre Herkunftsgebiete zurück, allein über eine Million in die Hauptstadt Khartum. Die Rückkehrer befänden sich jedoch weiter in einer prekären Lage. Oft funktionierten Infrastruktur und Dienstleistungen nicht, und es herrsche anhaltende Unsicherheit.
Nach Angaben von Unicef sind rund fünf Millionen der Vertriebenen Kinder. Diese seien besonders den Gefahren von Vergewaltigung und anderer Formen der sexuellen Gewalt ausgesetzt, die im Sudan als Kriegstaktik eingesetzt würden.
Gleichzeitig verschlechtere sich die Versorgungslage. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks werden 2026 rund 21 Millionen Menschen im Land von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein. In zwei Regionen sei bereits eine Hungersnot festgestellt worden, 20 weitere seien stark bedroht. Auch hier seien Kinder besonderes betroffen: So wurden im vergangenen Jahr in Nord-Dafur, das am schwersten von der Hungerkrise betroffen sei, fast 85.000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung behandelt, das entspreche einem Kind alle sechs Minuten.
Derweil kündigte das Auswärtige Amt eine erneute Geberkonferenz für den Sudan an. Diese soll den Angaben zufolge um den dritten Jahrestag des Konflikts Mitte April in Berlin stattfinden. Internationale Geberkonferenzen fanden bereits in London und Paris statt. Deutschland gehörte im vergangenen Jahr mit rund 157 Millionen Euro zu den größten Gebern, wie es hieß.