Zusammen mit Joe Frazier und Muhammad Ali verkörperte George Foreman das Goldene Zeitalter des Boxsports in den 70er-Jahren. Wie ein Dampfhammer konnte er zuschlagen. Außerhalb des Rings waren ihm andere Dinge wichtiger.
“Reverend George Foreman schlug beim Buch Genesis auf und anschließend einen linken Haken für Jesus und schickte Satan in die Seile.” So leitete der “Houston Chronicle”, die größte Zeitung im US-Bundesstaat Texas, einmal eine Reportage über George Foreman ein und beschrieb damit zwei Konstanten im Leben des Boxers: den Faustkampf und das Predigen. Am Wochenende gab Foremans Familie den Tod des Olympiasiegers und zweifachen Weltmeisters im Schwergewicht bekannt. Foreman starb demnach am Freitag im Alter von 76 Jahren.
“Als gläubiger Prediger, hingebungsvoller Ehemann, liebender Vater und stolzer Groß- und Urgroßvater war sein Leben von unerschütterlichem Glauben, Demut und Zielstrebigkeit geprägt”, so seine Familie. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Foreman legte ab der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre eine steile und vor allem lange Karriere als Boxer hin, die erst 1997 mit einem Kampf gegen Shannon Briggs endete.
Gefürchtet war “Big George” im Ring für seine gewaltige Schlagkraft – weltberühmt machte ihn jedoch eine spektakuläre Niederlage. Am 30. Oktober 1974 fand in der Demokratischen Republik Kongo – damals hieß das Land noch Zaire – einer der berühmtesten Boxkämpfe der Geschichte statt. Beim “Rumble in the Jungle” stand der US-Amerikaner in der Hauptstadt Kinshasa seinem Landsmann Muhammad Ali gegenüber.
Ali hatte in Kinshasa die Massen aufgepeitscht und auf seine Seite gebracht. Der amtierende Schwergewichtsweltmeister Foreman ging gleichwohl als Favorit ins Rennen – und unterlag am Ende doch. Den Verlauf des Kampfs konnte er sich auch Jahre später nicht erklären. “All die Punches, die ich geschlagen habe, mit denen ich jeden anderen ausgeknockt hätte, blieben wirkungslos.” Stattdessen raubte ihm Ali mit Sprüchen wie “George, wir essen hier kein Popcorn” oder “Ist das alles?” den letzten Nerv.
Diese Niederlage beschäftige ihn immer noch, räumte Foreman vor einiger Zeit im Gespräch mit der “Welt am Sonntag” ein. “Im tiefsten Innern wird das Rumoren nie aufhören.” Er sei danach in Selbsthass versunken, hätte Ali am liebsten umgebracht. “Er hatte mich gedemütigt wie kein anderer Mensch zuvor.” Doch zugleich betonte Foreman, mit der Vergangenheit Frieden geschlossen zu haben. Schon vor dem Tod Alis 2016 bekräftigte er: “Wir sind echte Freunde geworden, sind wie Brüder, können zusammen lachen und lustig sein.”
Das nach eigenen Worten prägendste Erlebnis seiner Karriere hatte jedoch nicht mit Ali zu tun – aber dafür ebenfalls mit dem Boxsport und einer anderen Niederlage. Im März 1977 verlor Foreman den Kampf gegen Jimmy Young nach Punkten. Danach habe ihn in der Umkleidekabine eine unheimliche Müdigkeit ergriffen. “Ich legte mich hin, und für den Bruchteil einer Sekunde fühlte ich mich tot. Alles, wofür ich gearbeitete hatte, sah ich plötzlich wie Asche zerfallen.”
Dann jedoch habe er sich plötzlich wieder lebendig gefühlt, erinnerte sich Foreman. “Gott hatte mich in Form eines hellen Lichtes in seine Arme genommen. Es war meine religiöse Erweckung.” In diesem Moment habe er zugleich das unbedingte Empfinden verspürt, mit dem Boxen aufzuhören.
Erst zehn Jahre nach dieser Episode stieg der Sportler wieder in den Ring – vor allem aus finanziellen Gründen. Für Schlagzeilen sorgte hierzulande 1995 sein umstrittener Sieg gegen den Deutschen Axel Schulz. Der würdigte den Verstorbenen jetzt als eine Legende des Boxsports. Dessen Ausstrahlung schüchterte ihn bei einer Pressekonferenz vor dem Kampf dermaßen ein, dass er sich gefragt habe: “Ach Du Scheiße, was tust du dir hier an?”, bekannte Schulz.
Neben seinem Engagement als Prediger einer Pfingstkirche trat Foreman nach dem endgültigen Ende seiner aktiven Laufbahn vermehrt in TV-Talkshows und als Sportkommentator auf. Mit dem Verkauf von Grills, die seinen Namen trugen, nahm er angeblich mehr Geld ein, als im Verlauf seiner Boxkarriere, auf die er in seinen Predigten gern Bezug nahm. “Du musst lernen, wie man kämpft”, zitierte ihn der “Houston Chronicle”. “Wenn du an Gott glaubst, musst du für ihn kämpfen.”