Zum Tag der Blockflöte: Geliebt, gehasst und wiederentdeckt

Am 10. Januar feiern Musikliebhaber den Tag der Blockflöte – ein Instrument, das für Kinder oft das erste ist, musikalische Karrieren starten lässt und heute Generationen verbindet.
Zum Tag der Blockflöte: Geliebt, gehasst und wiederentdeckt
Von Renaissance bis Crossover: Die Blockflöte erlebt ein Comeback (Archivbild)
Imago / Steffen Schellhorn

Es gibt viele Menschen, denen läuft es kalt den Rücken herunter, wenn sie an Blockflöten denken - und sich an ihren Musikunterricht erinnern. Dazu gehörte dann auch das angestrengte Vorspielen zu besonderen Gelegenheiten. Für manche ist die Blockflöte ein Horrorinstrument. Doch für andere steht sie am Beginn einer musikalischen Karriere.

In Deutschland gibt es den Tag der Blockflöte, der am Samstag (10. Januar) begangen wird. Es ist nicht genau bekannt, wer wann diesen Aktionstag ins Leben gerufen hat. Auf einer Internetseite zu kuriosen Feiertagen heißt es, Google Trends habe ein erstes relevantes Interesse für den Suchbegriff "Tag der Blockflöte" für Januar 2013 ausgewiesen, andere Quellen hingegen sprächen hingegen vom Jahr 2007.

Musikschulen zeigen: Blockflöte bleibt beliebtes Unterrichtsfach

Für viele Kinder in Deutschland ist die Blockflöte ihr erstes Instrument. Eine große Studie zum Musizieren von 2022 zeigt: Rund 13 bis 14 Millionen Menschen spielen in Deutschland ein Instrument, also etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung. Unter den musizierenden Kindern ist die Blockflöte eines der am weitesten verbreiteten Instrumente. An öffentlichen Musikschulen werden aktuell zehntausende Kinder im Fach Blockflöte unterrichtet. Es gehört dort regelmäßig zu den meistgewählten Fächern, auch wenn die Zahlen im Vergleich zu den 1990er Jahren deutlich rückläufig sind. Mittlerweile sind Klavier, Violine und Schlagzeug beliebter; die Blockflöte folgt erst auf Platz vier.

Ein genauerer Blick auf die Statistiken der Musikschulen zeigt: In den Einrichtungen des Verbandes deutscher Musikschulen gibt es knapp eine Million Belegungen in Instrumentalfächern, davon rund 49.000 bis 60.000 im Fach Blockflöte. Rechnet man darüber hinaus den Schulunterricht, private Musikschulen, Vereine und häusliches Musizieren hinzu, kann man von einer Zahl von Menschen im Millionenbereich ausgehen, die hierzulande Blockflöte spielen oder gespielt haben.​

In Deutschland lernen wieder Zehntausende Kinder Blockflöte
Imago / JOKER

Studien zum privaten Musizieren zeigen, dass heute mehr Mädchen als Jungen Blockflöte spielen. In manchen Erhebungen liegt der Anteil der Mädchen deutlich über dem der Jungen, so dass die Blockflöte in der öffentlichen Wahrnehmung als eher "weibliches" Einstiegsinstrument gilt. Das ist insofern eine neue Entwicklung, da Flöten überhaupt bis in das 20. Jahrhundert hinein als "männliche" Instrumente empfunden wurden.

Warum sich die Blockflöte in Europa so schnell verbreitet hat

Die Blockflöte gehört zu den ältesten europäischen Musikinstrumenten. Ihre Vorläufer lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, archäologische Funde datieren bereits ins 11. Jahrhundert. Im Unterschied zu vielen anderen Holzblasinstrumenten war die Blockflöte vergleichsweise leicht herzustellen und zu spielen, was ihre schnelle Verbreitung begünstigte. Sie wurde sowohl in der höfischen als auch in der bürgerlichen Musikkultur eingesetzt und war über Jahrhunderte hinweg ein selbstverständlicher Bestandteil des musikalischen Alltags. Denn bis Radio oder Plattenspieler zur Haushaltsausstattung gehörten, galt: Wer Musik hören will, muss sie selber machen.

Ihre Blütezeit erlebte die Blockflöte in der Renaissance und im Barock. Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel oder Antonio Vivaldi schrieben anspruchsvolle Werke für das Instrument. Erst im 18. Jahrhundert geriet sie in den Hintergrund, verdrängt von der Querflöte.

Eine Renaissance erlebte die Blockflöte im 20. Jahrhundert, als sich Musikerinnen und Musiker im Zuge der historischen Aufführungspraxis wieder für alte Instrumente interessierten. Internationale Festivals, Hochschulklassen und Meisterkurse widmen sich der Blockflöte als ernstzunehmendem künstlerischen Fach. Viele der weltweit führenden Spezialisten kommen aus dem deutschsprachigen Raum, zum Beispiel Dorothee Oberlinger.

Blockflöten-Ensembles und Orchestern erleben Aufschwung

Auch das gibt es: die Blockflöte als Instrument in der zeitgenössischen Musik. In Crossover-Projekten verschmelzen ihre Klänge beispielsweise mit Jazz, Pop, Elektro- oder Weltmusik. Ein weiterer Trend ist der Boom von Blockflöten-Ensembles und -orchestern. Erwachsene und Senioren, die früher Blockflöte gelernt haben, greifen das Instrument in Laienorchestern wieder auf. Hier wird die Blockflöte zum sozialen Instrument: Sie verbindet Generationen, ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zum Musizieren und schafft Gemeinschaftserlebnisse.

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