Artikel teilen:

Zentralratspräsident Schuster mit Augsburger Friedenspreis geehrt

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, ist am Montagabend mit dem Augsburger Friedenspreis ausgezeichnet worden.
Schuster reihe sich in den Kreis der Preisträger ein, die zeigten, wie viel Kraft in persönlicher Haltung und Engagement stecke, sagte Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) laut Manuskript bei der Preisverleihung und wandte sich zugleich gegen Hass, Hetze und Antisemitismus. Auch Schuster verurteilte in seiner Dankesrede den wachsenden Antisemitismus sowie einseitige Schuldzuweisungen an Juden und Israel im Gaza-Krieg.

Schuster sagte laut Manuskript, dass der Augsburger Friedenspreis für ihn ein Aufruf zum Handeln sei. „Denn Frieden entsteht nicht durch nette Worte und schon gar nicht durch betretenes Schweigen.“ Frieden könne nur entstehen, wenn nicht mehr die Aggressoren mit den Angegriffenen verwechselt würden. „Ich würde mir wünschen, dass wir fair auf Israel blicken, ohne Schaum vor dem Mund“, sagte Schuster. Er verstehe, dass der Gaza-Krieg die Menschen aufgewühlt habe. „Die Bilder der Zerstörung sind schrecklich, das Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung auch.“

„Was mir aber missfällt an der Debatte, sind die einseitigen Schuldzuweisungen an Israels Adresse. Man tut so, als hätte es die 1.250 Toten und die 250 am 7. Oktober als Geiseln Genommenen nie gegeben“, sagte Schuster weiter. Linksextreme, Rechtsextreme, Islamisten und auch ganz normale Friedensbewegte seien sich bei Israel plötzlich einig. Jeder, der es wage, dieser „Allianz der Antisemiten“ zu widersprechen, werde umgehend als „Genozid-Leugner“ beschimpft. Antijüdische Ressentiments wachsen und gedeihen laut Schuster überall. Selbst die Kirchen seien nicht gänzlich immunisiert.

Bei jenen, die auf Straßen und Plätzen seit zwei Jahren täglich „From the River to the Sea“ brüllen und ein judenreines Palästina propagieren, habe er die Hoffnung auf Fairness aufgegeben. „Aber bei der Mitte unserer Gesellschaft, bei den Kirchen und den demokratischen Parteien, da bin ich zuversichtlich, dass wir den Trend umkehren können“, sagte Schuster. Die Laudatio auf Schuster hielt der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Die Mitte der Gesellschaft bleibe häufig leise, während Extreme oft laut seien, sagte Oberbürgermeisterin Weber weiter. „Ihre Parolen, ihre Hetze, ihre Gewalt dringen unmittelbar in unsere Öffentlichkeit.“ Schweigen könne so zur Kulisse werden, in der Intoleranz wachse. Augsburg setze sich als Friedensstadt entschieden dafür ein, dass es keinen Platz für Rassismus, Diskriminierung und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gebe. Jüdisches Leben in Augsburg müsse sichtbar gemacht und gestärkt werden, Betroffene von Antisemitismus müssten geschützt und unterstützt werden, sagte Weber weiter.

Der Name des Preisträgers oder der Preisträgerin wird traditionell am 8. August, dem Tag des Augsburger Friedensfestes, bekanntgegeben. Der Juryvorsitzende, der evangelische Augsburger Dekan Frank Kreiselmeier, sagte bei der Bekanntgabe im Sommer, dass Schusters Wirken von der tiefen Überzeugung geprägt sei, dass Frieden und Gerechtigkeit nur durch gegenseitigen Respekt erreicht werden könnten. „Fein, nuanciert und weise trennt er die verschiedenen Ebenen von Staatlichkeit und Religion und bleibt dabei ganz authentisch.“

Der mit 12.500 Euro dotierte Friedenspreis wird seit 1985 von der Stadt Augsburg und der bayerischen evangelischen Landeskirche, in der Regel alle drei Jahre, für Verdienste um ein tolerantes und friedvolles Miteinander von Kulturen und Religionen vergeben. Bisherige Preisträger waren etwa Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow.

Das Friedensfest wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August gefeiert. Am 8. August 1629 wurde den Protestanten in Augsburg die Ausübung ihres Glaubens untersagt. Erst im Westfälischen Frieden 1648 erlangten sie die Gleichstellung mit der katholischen Kirche. (3603/17.11.2025)