Mehr als 10.000 Menschen nehmen sich hierzulande pro Jahr das Leben. Angehörige bleiben trauernd zurück – und zusätzlich mit Fragen und der Angst vor Stigmatisierung. Eine Sozialpsychiaterin erklärt, was ihnen gut tut.
Ein Mensch hat sich selbst getötet – und dem Umfeld der Hinterbliebenen fehlen die Worte. Fachleute werben dafür, sie nicht allein zu lassen. Suizid-Hinterbliebene gibt es häufiger, als viele vermuten: Allein im vergangenen Jahr starben 10.273 Menschen in Deutschland durch Suizid; die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass von jedem dieser Fälle mindestens fünf bis sieben Angehörige betroffen sind. Die Sozialpsychiaterin Nathalie Oexle hat auf Basis der Berichte von Betroffenen einige Tipps, was sie als hilfreich erleben.
Zuhören – Viele Hinterbliebene berichten von kreisenden Gedanken und der quälenden Frage, warum ein geliebter Mensch diesen Schritt gegangen ist. “Unterstützung braucht oft weniger große Taten, sondern stille Präsenz”, sagt Oexle. Viele erlebten es als hilfreich, offen sprechen zu können.
Ernstnehmen – Vor alle junge Menschen fühlen sich häufig übersehen, sagt die Expertin: “wie ein Kind, das nichts versteht”, zitiert sie eine 23 Jahre alte Frau, deren Bruder durch Suizid starb. Wahr- und ernstgenommen zu werden, sei in Trauersituationen sehr wichtig.
Alltagshilfe – Kinderbetreuung, Einkaufen, organisatorische Aufgaben übernehmen – dazu sehen sich viele Betroffene kaum in der Lage, zumal sich viele Fragen und Aufgaben zugleich stellen. Das könnten auch Freundinnen, Nachbarn oder fernere Familienmitglieder übernehmen, rät Oexle.
Informationen – Es gibt professionelle Hilfe, etwa über sozialpsychiatrische Dienste oder den Verein AGUS, der auch viele örtliche Selbsthilfegruppen hat. Eine Recherche dazu und die Weitergabe von Informationen kann nach Worten Oexles sinnvoll sein.
Wiederholen – Befragungen zeigen, dass die Hilfe einen Monat nach einem Verlust schon deutlich geringer ausfällt als in der ersten Woche. Auch könne es gut tun, wenn sich entferntere Freundinnen oder Bekannte melden – je nachdem, wie sich die Dynamik im engsten Kreis entwickelt, sagte die Forscherin.