Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland steigt wieder

Während der Corona-Pandemie sind die HIV- und Aids-Zahlen in Deutschland gesunken. Nun liegen sie wieder auf dem Niveau der Zeit davor. Experten fordern Gegenmaßnahmen.

In Deutschland haben sich im vergangenen Jahr mehr Menschen mit HIV infiziert als im Vorjahr. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin am Donnerstag vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember mitteilte, stieg die Zahl um etwa 200 auf geschätzt 2.300 Menschen im Jahr 2024. Es bedürfe weiterer Anstrengungen wie besserer Testangebote für bestimmte Zielgruppen und eines besseren Zugangs zu Therapie und Vorsorge, erklärten die Forschenden.

Ähnlich äußerte sich auch die Deutsche Aidshilfe. Die Organisation kritisierte, dass bei Prävention und Drogenhilfe an vielen Orten gekürzt werde.

Die Zahl der geschätzten Neuinfektionen unter homosexuellen Männern stieg laut RKI im vergangenen Jahr um etwa 100 auf zuletzt 1.300. Seit 2010 infizieren sich zudem jährlich mehr Menschen beim Konsum von Drogen mit Spritzen. Zuletzt waren es etwa 400 Menschen. Auch unter heterosexuellen Menschen zeigte sich ein leichter Anstieg auf etwa 590 Neuinfektionen.

Ende 2024 lebten dem Institut zufolge insgesamt geschätzt 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland. Etwa 8.200 Infektionen seien noch nicht diagnostiziert. Daher seien leicht zugängliche Testangebote und die Kenntnis von Infektionsrisiken wichtig. Von den Menschen, bei denen bereits eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, erhielten etwa 98 Prozent eine antiretrovirale Therapie. Bei fast allen Patienten sei die Behandlung erfolgreich, sodass sie die Viren nicht mehr beim Sex übertragen könnten, erklärte das RKI.

Unbehandelt kann eine HIV-Infektion zur Immunschwäche-Erkrankung Aids und zu einem Zusammenbruch des körpereigenen Abwehrsystems führen. Bei fast jeder fünften neu festgestellten Infektion in Deutschland wurde 2024 bereits Aids diagnostiziert, bei etwa jeder dritten war es zumindest ein fortgeschrittener Immundefekt.

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