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Würdigung: Gestorbener jüdischer Publizist Brumlik war Brückenbauer

2016 bekam Micha Brumlik die Buber-Rosenzweig-Medaille. Die Verleiher der renommierten Auszeichnung blicken auf den interreligiösen Einsatz des gestorbenen Publizisten und seine Impulse für aktuelle Debatten zurück.

Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) hat das interreligiöse Engagement des am Montag gestorbenen jüdischen Publizisten Micha Brumlik gewürdigt. Dieser hatte 2016 die Buber-Rosenzweig-Medaille für Verständigung erhalten. Damit zeichnete der DKR Brumliks jahrzehntelangen Einsatz für eine “offene, von gegenseitigem Respekt geprägte Begegnung zwischen Juden und Christen” aus.

“Micha Brumlik gelang es immer wieder, mit seinem Engagement, seiner medialen Präsenz und seinen wissenschaftlichen und pädagogischen Beiträgen Brücken zu bauen und Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen”, erklärte der Koordinierungsrat am Mittwoch im hessischen Bad Nauheim. Der Erziehungswissenschaftler sei ein ausgewiesener Kenner sowohl der jüdischen als auch der christlichen Geschichte, Kultur und Religion gewesen.

Sein Engagement in Gemeinden, auf Kirchentagen und bei Konferenzen habe den Aufbau vertrauensvoller und tragfähiger Netzwerke zwischen Juden und Christen in Deutschland und international gefördert, so der DKR. “Vielfach ist es ihm dabei gelungen, die Früchte christlich-jüdischer Zusammenarbeit in kritischer und pointierter Form einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln und sie in die gesellschaftspolitischen Debatten unserer Zeit einzubringen.”

Wie am Dienstag bekannt wurde, starb Brumlik am Montag im Alter von 78 Jahren. Zuletzt lebte er in Berlin. Von 2000 bis 2005 war Brumlik Direktor des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt. Auch prägte er den Aufbau und das Profil des Selma-Stern-Zentrums für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg mit. Er war Grünen-Kommunalpolitiker und Autor. Geboren wurde Brumlik am 4. November 1947 in der Schweiz. Seine Eltern mussten in der NS-Zeit Deutschland verlassen.