Zu wenig Wohnraum, explodierende Mieten und Nebenkosten - die Lage auf dem Wohnungsmarkt wird immer schwieriger, die soziale Ungleichheit wächst. Bundesweit fehlen dem Bündnis „Soziales Wohnen“ zufolge rund 550.000 Wohnungen. Trotz des hohen Bedarfs nach günstigem Wohnraum ist der Bestand von Sozialwohnungen gesunken - allein von 2017 bis 2023 um zwölf Prozent.
Dem Paritätischen Gesamtverband zufolge sinkt die Zahl der Sozialwohnungen seit Jahrzehnten. Gab es 1990 noch rund drei Millionen Sozialwohnungen, waren es Ende 2023 bundesweit nur noch 1,07 Millionen Wohnungen. Bundesweit wären aufgrund ihres Einkommens laut Angaben des Bündnisses „Soziales Wohnen“ etwa die Hälfte der 23 Millionen Mieterhaushalte berechtigt, eine Sozialwohnung zu beziehen. Das Bündnis, dem unter anderem Deutscher Mieterbund (DMB), Industriegewerkschaft IG Bau, Caritas sowie die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau angehören, fordert deshalb ein Sondervermögen von 50 Milliarden Euro für den Anschub des sozialen Wohnungsbaus.
Laut dem hannoverschen Pestel Institut fehlten im Jahr 2022 allein in Niedersachsen 109.000 Sozialwohnungen. Der Bestand an preiswerten Wohnungen sank kontinuierlich - von 82.496 im Jahr 2017 auf 51.242 im Jahr 2023. Mittlerweile besteht dem Institut zufolge fast überall in Niedersachsen ein Mangel an einfachen, günstigen Wohnungen, ausgenommen sind Teile von Südniedersachsen.
Über die Hälfte der Bevölkerung (53 Prozent) lebt laut DMB zur Miete, das sind rund 44 Millionen Menschen in mehr als 20 Millionen Haushalten. Im Durchschnitt haben Mieterinnen und Mieter ein geringeres Einkommen als Eigentümer. Mietende Haushalte leben im Schnitt auf 69 Quadratmetern Wohnfläche, Eigentümer dagegen auf 100 Quadratmetern.
Laut Mietenreport 2025 des DMB stiegen die Bestandsmieten zwischen 2010 und 2023 um rund ein Drittel, die Angebotsmieten um mehr als die Hälfte. Als Bestandsmiete bezeichnen Fachleute Mietzahlungen in bestehenden Mietverhältnissen, als Angebotsmiete die Miete für neu inserierte Wohnungen. Bundesweit lag die Durchschnittsmiete 2022 bei 9,66 Euro pro Quadratmeter, in den größten Städten Deutschlands bei rund 13 Euro je Quadratmeter. Am höchsten sind die Mieten in München mit 23 Euro, gefolgt von Frankfurt am Main mit 20 und Berlin 18 Euro pro Quadratmeter. Auf dem Land ist das Wohnen mit etwa neun Euro pro Quadratmeter zwar merklich günstiger. 78 Prozent der deutschen Bevölkerung leben jedoch in Städten.
Nach Angabe der Sparkasse geben die Menschen in Deutschland mehr als ein Viertel (28 Prozent) ihres Einkommens für die Kaltmiete aus. In Großstädten ist der Anteil oft höher. Laut Statistischem Bundesamt lebten zwölf Prozent der Bevölkerung in Deutschland 2024 in Haushalten, die über 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgeben. Die Landesarmutskonferenz in Niedersachsen sieht in dieser Entwicklung eine existenzielle Bedrohung bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein. Als zumutbar angesehen werden 30 Prozent.
Laut Statistischem Bundesamt lebten 2021 fast elf Prozent der Menschen in überbelegten Wohnungen. Besonders betroffen sind mit rund 28 Prozent Alleinerziehende und ihre Kinder. Der Anteil von Minderjährigen, die in beengten Wohnverhältnissen leben, ist sechsmal höher als der von Menschen, die über 65 Jahre alt sind. Als überbelegt gilt einer EU-Definition zufolge eine Wohnung, in der es etwa keinen Gemeinschaftsraum gibt, sich mehr als zwei Kinder einen Raum teilen müssen oder ein Paar, das mit anderen in einem Haushalt lebt, kein eigenes Zimmer hat.
Bundesweit mussten Mieterinnen und Mieter laut DMB 2023 durchschnittlich 2,51 Euro pro Quadratmeter und Monat für Betriebskosten zahlen. Damit stiegen die durchschnittlichen Betriebskosten im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. Zu den Betriebskosten zählen etwa Wasser und Abwasser, Grundsteuer, Müllbeseitigung, Straßenreinigung, Grundsteuer, Schornsteinreinigung, Gartenpflege, Hauswart und Gebäudeversicherungen.