Auftakt im Kölner Dom: Kardinal Woelki eröffnete die neue Jahresaktion des Bonifatiuswerks. Es sammelt Spenden für Katholiken, die in einer Minderheitenlage leben.
Mit einem Gottesdienst im Kölner Dom hat das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken am Sonntag seine bundesweite Jahresaktion eröffnet. Das Hilfswerk unterstützt Katholiken in Europa, die in einer Minderheitensituation, der sogenannten Diaspora, leben.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki verwies in seiner Predigt darauf, dass auch in Deutschland die Christen zur Minderheit geworden seien. Inzwischen gehörten weniger als die Hälfte der Einwohner einer der beiden großen Kirchen an. “Und der Trend geht weiter in diese Richtung.”
Daher sei Deutschland ein Missionsland, was schon der Jesuit Ivo Zeiger auf dem Katholikentag 1948 in Mainz festgestellt habe, sagte der Erzbischof. Angesichts der Entwicklung dürften Christen aber nicht mutlos sein. Denn zu ihrer Grunderfahrung gehöre es, “in der Fremde dieser Welt” zu leben und “durch ein gottesfürchtiges Leben sowie durch gute Werke” Gott zu bezeugen.
Die Jahresaktion steht unter dem Motto “Stärke, was dich trägt”. In katholischen Gottesdiensten am 15. und 16. November werden Spenden für das Hilfswerk gesammelt.
Das Leitwort sei eine ermutigende Aufforderung, sagte der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Georg Austen. “Wir bleiben oft beim zermürbenden ‘noch’ stehen. Wie viele kommen noch zur Kirche?” Dabei komme es aber nicht auf die Anzahl an, sondern darauf, dass die Wenigen oder weniger Werdenden etwas Wertvolles sagen, sagte Austen in dem Gottesdienst. Daran nahmen auch Bischöfe aus Lettland und Norwegen teil.
Beim anschließenden Festakt sagte der Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Minister Nathanael Liminski (CDU), Christen seien wichtige Stützen der Demokratie. Denn sie setzten sich vielfach aus ihrem Glauben heraus für das Gemeinwohl ein.
Bei der Feier wurde auch der Bonifatiuspreis “für missionarisches Handeln” verliehen. Der mit 6.000 Euro dotierte erste Preis – ausgewählt aus 227 Bewerbungen – ging an das Wolfsburger Projekt “Himmelszelt”: In einem bunten Zirkuszelt in der Stadt wurde Raum für Gottesdienste, Kabarett, Konzerte, Ausstellungen oder Zirkus-Shows von Kindern geschaffen.
Den zweiten Platz erhielt die auf Raststätten tätige Initiative “Lenkpause für Körper und Seele” der Fernfahrerseelsorge Bodensee-Hohenzollern. Mit dem dritten Platz wurde die Pfarrei Heilige Familie Bad Sassendorf bedacht, die auf einem Friedhof einen “Trostweg” errichtete. Den Sonderpreis bekam das Social-Media-Projekt “Frengels & Chef” mit mehr als 80.000 Followern von Gemeindereferentin Michelle Engel und Pfarrer David Grüntjens aus Krefeld. Insgesamt ist der Bonifatiuspreis mit 14.500 Euro dotiert.
Das Bonifatiuswerk mit Sitz in Paderborn hilft vor allem Katholiken in Nord- und Ostdeutschland, Skandinavien und im Baltikum. Voriges Jahr wurden 1.117 Projekte mit 10,4 Millionen Euro gefördert. Namensgeber des Hilfswerks ist der als Apostel der Deutschen geltende heilige Bonifatius (um 672 bis 754).