Im Iran nehmen die Proteste gegen die Regierung an Heftigkeit zu. Die Macht der Mullahs bröckelt an verschiedenen Stellen, wie Konfliktforscherin Sara Bazoobandi analysiert.
Die gegenwärtigen Proteste im Iran setzen nach Ansicht von Konfliktforscherin Sara Bazoobandi die Regierung zusehends unter Druck. "Der Zusammenbruch der sogenannten Achse des Widerstands, der Fall von Baschar al-Assad in Syrien sowie die systematische Ausschaltung hochrangiger Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarde - angefangen mit Qasem Suleimani - haben die strategische Position Teherans massiv geschwächt", sagte Bazoobandi der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg.
Hinzu kämen weitere Faktoren wie die Folgen des Klimawandels samt akuter Wasserknappheit, erläuterte die Wissenschaftlerin. "Diese Kombination aus außenpolitischen Rückschlägen und innerer Misswirtschaft hat die Legitimität der Islamischen Republik sowohl im eigenen Land als auch in der Region nachhaltig untergraben." Entscheidend in der aktuellen Situation sei, dass die traditionellen Herrschaftsinstrumente - Terror und Unterdrückung - ihre abschreckende Wirkung verloren hätten.
Unterdessen weiteten sich am Freitag die Proteste im Iran laut Medienberichten aus. Menschenrechtsorganisationen berichteten über zahlreiche gewaltsame Zusammenstöße von Demonstranten und Sicherheitskräften. Bislang ist die Rede von fast 30 Toten.
Die Hoffnung vieler Demonstranten ruhe auf dem im Exil lebenden Kronprinzen Reza Pahlavi, sagte Bazoobandi. Der Sohn des letzten Schahs pflege gute Beziehungen zu Israel. "Doch ob die Führer der Golfstaaten, der Irak, die Türkei oder die Taliban ihn akzeptieren würden, bleibt offen." Pahlevi habe wiederholt erklärt, dass er eine Normalisierung der Beziehungen anstrebe und eine pro-demokratische, pro-westliche Außenpolitik verfolge. "Ein solcher Kurswechsel könnte das geopolitische Kräfteverhältnis im Nahen Osten grundlegend verändern."
Bazoobandi lehrt und forscht am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg sowie am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK).