Predigttext
Da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.
Heute geht es um Jesus, als Hirte der Menschheit! So ein ansprechendes Bild, in dieser besonderen Zeit. Die momentane Krise, dieser unberechenbare Virus lässt uns umherirren, wie Schafe ohne den Schutz und die Obhut eines Hirten.
Wir fühlen uns verloren, wir haben Angst, weil wir den „bösen Wolf“ nicht sehen können; aber wir wissen, dass er uns auflauert. Es ist sehr schwer, unserem guten Hirten zu vertrauen in diesem ganzen Durcheinander! Wir finden ihn vielleicht nicht und können so seine Stimme auch nicht mehr hören.
Es ist schon lange kein Normalzustand mehr in der Herde, wir sind aufgeschreckt und kopflos. Aber mit der Haltung: „Mir wird schon nichts passieren!“, folgen wir der falschen Strategie. Wir sind keine Schafe! Wir sind Menschen! Gott möchte, dass wir verantwortlich handeln, dafür hat er uns Menschen den Verstand gegeben.
Verantwortung mit Verstand
Wir sind Schäfchen in Gottes Herde und wir haben auch den natürlichen Herdentrieb in uns. Aber das dürfen wir in dieser Zeit nicht ausleben. Welch eine massive Einschränkung!
Ob wir denn kein Gottvertrauen hätten, wurde ich gefragt, als wir unsere Auferstehungskirche vor Wochen für alle Gottesdienste und Veranstaltungen geschlossen haben. Mitglieder, einer kleinen Gemeinde, die unsere Kirche für Zusammenkünfte und zum Gebet bislang genutzt hatten, standen aufgebracht vor der abgeschlossenen Kirche.
Der Virus bleibt nicht automatisch draußen, ist hier die einzig wahre Antwort. Unser Auftrag in dieser Zeit muss sein: Im Vertrauen auf Gott das Richtige tun! Andere Kommunikationswege finden, um uns gegenseitig Mut zu machen. Zum Beispiel skypen oder WhatsApp. Inmitten, in dieser schwierigen Phase, in der wir überfordert, überanstrengt und total überängstigt sind.
Wir spüren, dass unser Optimismus immer weniger wird. Alles ist auf null gesetzt. All die „Müsste“ und „Sollte“, unsere Erwartungen und Ansprüche an uns selbst, können nicht mehr wie gewohnt erledigt werden. Sie haben keine Priorität mehr.
Unsere größte Lebensaufgabe jetzt ist: Licht in die Dunkelheit bringen. Reden wir nicht ständig davon, was uns fehlt und was wir nicht haben. Schauen wir auf das, was wir noch haben und was uns weiterhin geschenkt wird.
Wir haben noch sauberes Wasser und wir haben noch genug zu essen. Wir haben Menschen, die uns versorgen und pflegen. Wir haben Alltagsheldinnen und Alltagshelden, die unsere Versorgung gewährleisten und uns nicht aufgeben. So wie ein guter Hirte, um bei dem Bild der Schafherde zu bleiben.
Wir haben viele gute Möglichkeiten durch die digitale Welt, um noch miteinander zu kommunizieren. Und das in die ganze Welt! Die Christenherde ist also vernetzt! Die gute Nachricht unseres Hirten kann also weitergegeben werden. Ist das nicht helles Licht im Dunklen?
Wir können noch beten!
Und wir können noch beten! Wir dürfen unserem Hirten unsere Ängste und Sorgen mitteilen. Er ist da und wird uns zuhören. Er wird unsere Sorgen teilen und uns durch die dunklen Täler führen. Er wird mit uns durch diese schwere Zeit gehen, nein, er wird uns hindurchtragen. Das ist es, was einen guten Hirten ausmacht. Er ist da für uns, unter dem Einsatz seines Lebens. Wir müssen auf ihn vertrauen, aber auch müssen wir selbstverantwortlich handeln. Wir wissen, was uns jetzt schadet oder auch was uns nützen kann.
Lassen wir uns auf den rechten Weg bringen. Hören wir auf Experten und Menschen, die sich mit der List und Tücke des bösen Wolfes auskennen. So wie die Hirtenhunde, die uns auf den Weg geleiten, den uns der Herr, unser Hirte vorgibt.
Amen.
