Natürlich: Monty Python haben auch ihren Anteil daran! In der Mittelalter-Groteske “Ritter der Kokosnuss” tanzt eine Gruppe Ritter auf dem Tisch – und singt dabei einen so eingängigen wie legendären Song.
“Ich werd’ heut wieder zugespamt!” Den verärgerten Ausruf der Enkelin kann wohl heute nicht jede Oma, geschweige denn Uroma, verstehen – obwohl sie das Produkt, das dem Wort zugrunde liegt, aus ihrer Zeit noch allzu gut kennen könnte. Denn “Spam”, das heute vor allem massenhafte unerwünschte Werbe-E-Mails und Posts in Sozialen Netzwerken bezeichnet, ist ursprünglich nichts anderes als – vorgekochtes US-Dosenfleisch… Vor 100 Jahren, 1926, wurde Spam als “Hormel Ham” erstmals hinter Blech gepresst.
Doch von Beginn an: 1891 gründete George Albert Hormel, geboren 1860 in Buffalo als Sohn deutscher Einwanderer, in Austin/Minnesota die Hormel Foods Corporation, die schon sehr bald enge Verbindungen mit der US-Armee aufnahm. 1926 brachte die Firma den “Hormel Ham” (Hormel-Schinken) als weltweit erstes Dosenfleisch (“ham in a can” oder “canned ham”) auf den Markt.
Elf Jahre später wurde daraus offiziell “Spam”. Das Produkt, das bald quasi die ganze Welt erobern sollte, startete am 5. Juli 1937 in den US-Supermärkten. Es heißt, dass Spam ursprünglich dazu dienen sollte, den Absatz von Schweineschulter zu steigern; einem Teilstück, das sich nicht gut verkaufte. Eine weit verbreitete Meinung ist, dass der Name Spam ein Kofferwort für “spiced ham” (gewürzter Schinken) sei. Auch wurde spekuliert, dass es sich um ein Akronym für “shoulder of pork and ham” (Schweineschulter und Schinken) handele.
Die Hauptzutaten von Spam sind tatsächlich Schweineschulter und -schinken sowie Salz, Wasser, Kartoffelstärke, Zucker und Natriumnitrit zur Konservierung – und für den klassischen Rot-Ton. Spam ist vorgegart und kann daher direkt aus der Dose verzehrt werden. Es wird aber in der Regel weiter gekocht, um geschmacklich nachzubessern.
Den Durchbruch brachte der Zweite Weltkrieg: Da es schwierig war, frisches Fleisch an die Front zu liefern, wurde Spam zu einem allgegenwärtigen Bestandteil der Ernährung der US-Soldaten. Spitznamen dafür wurden “Schinken, der die Prüfung nicht bestanden hat”, “Hackbraten ohne Grundausbildung” oder “Special Army Meat” (Spezial-Armeefleisch).
Bis Kriegsende wurden mehr als 75.000 Tonnen Spam an das US-Militär geliefert – deutlich zuviel für manchen Soldaten. Sie machten ihrem Frust in Briefen an den Fabrikanten Hormel Luft, beschwerten sich über Spam in jeder Mahlzeit. Dennoch lernten die vom Krieg verwüsteten Länder, die mit strengen Lebensmittelrationierungen konfrontiert waren, Spam sehr zu schätzen.
Im Zuge der Rationierungen im Krieg wurde Spam auch nach Großbritannien verkauft. Die spätere Premierministerin Margaret “Maggy” Thatcher bezeichnete es später als “Kriegsdelikatesse”. Und Hormel steigerte die Spam-Produktion weiter, als Teil der alliierten Hilfe auch für die Sowjetunion. In seinen Memoiren erklärte Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow angeblich später: “Ohne Spam hätten wir unsere Armee nicht ernähren können.”
Fun Fact: In den Verpflegungsrationen der israelischen Streitkräfte war bis 2011 ein Corned-Beef-Produkt in Dosen enthalten, “Loof” oder auch “koscheres Spam” genannt. Es enthielt natürlich kein Schweinefleisch. Dennoch wurde es dann durch Dosen-Thunfisch ersetzt.
Großbritannien hatte noch lange hart unter den Folgen des Krieges zu leiden. Der Staat war fast bankrott und hing von US-Darlehen ab; die britische Wirtschaft war noch stark auf Kriegsproduktion ausgerichtet. Viele Lebensmittel blieben weiter rationiert. 1948/49, als die Bevölkerung schon hörbar murrte, wurde die Rationierung von Kartoffeln, Brot, Schuhen, Kleidung und Marmelade beendet. Doch Schokolade und Süßwaren blieben noch bis 1954 rationiert – und ebenso Fleisch. Das blieb sehr knapp und war nur zu hohen Preisen erhältlich. Der einzige Ausweg: Spam!
Und hier kommen Monty Python ins Spiel. Mit einem Restaurant-Sketch in ihrem TV-Programm “Flying Circus” vom Dezember 1970 machte die britische Komikertruppe Spam endgültig zu einem Teil der Popkultur. In einem Lokal sitzen ein junges Paar – und jede Menge Wikinger. Die Dame lässt sich von der Kellnerin die Karte vorlesen; doch alles strotzt nur so von Spam. Die Kellnerin empfiehlt also “Spam, Eier, Bratwurst und Spam” – denn da sei nicht so viel Spam drin.
Je öfter das Wort Spam fällt – insgesamt 132 mal im Sketch -, desto mehr verfallen die Wikinger in einen Spam-Gesang, und der Sketch endet im Chaos. Eine Neuauflage fand der Spam-Song in der Mittelalter-Groteske “Ritter der Kokosnuss” (1975): Im Schloss von König Artus tanzt eine fröhliche Gruppe Ritter auf dem Tisch – und singt dabei das Lied (“… we eat ham and jam and spam a lot”). 2004 machte Python-Mitglied Eric Idle aus dem Plot der “Ritter der Kokosnuss” das Musical “Spamalot”, eine Verballhornung von Camelot, dem legendären Hof von König Artus.
Nicht nur der Blick auf die Geschichte, auch ein Blick auf die Geschäftszahlen von Hormel erklärt, wie Spam zu einem Synonym von Massen-Mails im Internet werden konnte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war Spam in mehr als 100 Ländern auf allen Kontinenten als Marke eingetragen. 2012 überstieg die Zahl der verkauften Dosen die Acht-Milliarden-Marke; und der Umsatz des Unternehmens lag zuletzt bei offiziell 9,5 Milliarden US-Dollar.