Purim-Fest: Jerusalem feiert das Ende eines bösen Persers

Purim ist ein fröhliches Fest. Kinder verkleiden sich und triumphieren lärmend über den Judenfeind Haman, der vor Urzeiten in Persien am Galgen endete. Dieses Jahr ist alles anders und doch beklemmend aktuell.
Purim-Fest: Jerusalem feiert das Ende eines bösen Persers
Purim in Zeiten des Kriegs: Das biblische Fest der Rettung erhält in Israel neue politische und spirituelle Bedeutung
Imago / ZUMA Press Wire

Weltweit haben Juden das Purim-Fest begonnen - in Erinnerung an die wunderbare Errettung ihrer Glaubensbrüder vor drohender Vernichtung vor 2.500 Jahren im antiken Perserreich, dem heutigen Iran. Nur in Jerusalem finden die normalerweise fröhlichen bis ausgelassenen Feiern einen Tag später statt. Von Vorfreude kann derzeit freilich kaum die Rede sein.

Purim-Fest in Jerusalem überschattet von aktuellem Kriegsgeschehen

"Purimfeier? Was? Wir sind im Krieg", wehrt sich ein Polizist im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt gegen den Gedanken an ein buntes Fest mit vielen verkleideten und lärmenden Kindern. Und auch wenn nach dem ersten Schock über die Raketenangriffe aus dem modernen Perserreich wieder mehr Menschen auf den Straßen in Jerusalems jüdischer Neustadt unterwegs waren: Wenig deutet auf Feierstimmung hin.

Dazu trägt auch das von der Zivilschutzbehörde Home Front Command verfügte Versammlungsverbot bei. Hinzu kommt eine Anordnung der israelischen Armee, die alle öffentlichen Purim-Lesungen verbietet. Das gelte auch für Notunterkünfte, heißt es ausdrücklich. Allerdings unterstützen einige Rabbiner Zoom-Rezitationen.

Diese Purim-Lesungen aus dem biblischen Buch Esther gehören zu den zentralen Elementen des jüdischen Festes: Darin wird berichtet, dass Haman, Minister am Hof des persischen Königs, aus Rache alle Juden töten wollte. Königin Esther, die ihre jüdische Abstammung verborgen hielt, kann dies verhindern.

Purim-Fest erinnert an den Sieg über den Feind Haman

Sie überzeugt den Perserkönig, dass der Judenfeind Haman der eigentliche Bösewicht ist, und bekommt freie Hand gegen alle Gegner der Juden. Die Befreiung gelingt, Haman endet am Galgen. Und die Juden richten danach ein beträchtliches Gemetzel an ihren Feinden an - dieser letzte Passus wird nicht in allen Purim-Lesungen vorgetragen.

Das Esther-Buch wird auch in Jerusalem in den Familien gelesen. Kinder dürfen mit ihren Rasseln Krach schlagen, wenn immer der Name des Bösewichts Haman fällt. Öffentliche Feiern gibt es dieses Jahr jedoch nicht - wegen der Versammlungssperre, aber auch, weil wie alle Heiligen Stätten in der Heiligen Stadt der Platz vor der Klagemauer geschlossen ist, voraussichtlich bis zum 12. März. Wo sich sonst Beter drängen, unterhalb des einstigen Jüdischen Tempels, bewegen sich jetzt nur Polizisten.

Purim-Fest erinnert an Hoffnung trotz Bedrohung

Unterdessen rätseln Öffentlichkeit und Medien über die genaue Absicht der israelisch-amerikanischen Allianz im neuen Perserreich - und somit auch über eine Dauer der Kämpfe. Galt zwischenzeitlich ein Regime-Wechsel in Teheran als Ziel, sprechen US-Politiker jetzt vorrangig davon, die Raketenbedrohung durch den Iran definitiv zu beenden und sicherzustellen, dass das Regime keine Atomwaffen besitzt.

Für Israel gehört zu den Kriegszielen freilich auch, die Bedrohung durch die Hisbollah im Libanon zu beseitigen, wie der israelische Generalstabschef Eyal Zamir betonte. Das israelische Militär werde den Krieg fortsetzen, bis die von der Hisbollah ausgehende Bedrohung "beseitigt" sei. Israel bestehe weiterhin darauf, dass die Hisbollah entwaffnet werde. Eine Forderung ", von der wir nicht abrücken werden", sagte Zamir.

Purim-Fest und Politik: Wenn Tradition neue Bedeutung gewinnt

Der Raketenbeschuss aus Teheran dauert an, und unter den weltpolitischen Umständen sieht mancher die biblische Esther-Geschichte in neuem Licht. Zu sehr erinnert der Judenhasser Haman an Ajatollah Ali Chamenei mit seinen beständigen Tiraden gegen Israel und Zionismus. Dass dieser zu Beginn des Waffengangs ein Ende in den Trümmern seines Amtssitzes fand, empfinden viele in Jerusalem als gerechte Strafe. Dazu passt, dass die "Haman-Taschen", das traditionelle Purim-Gebäck, eine dreieckige Teigtasche mit Feigenmus- oder Marmeladenfüllung, in diesen Tagen mitunter als "Chamenei-Taschen" über die Theke gehen. 

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