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Wie die AfD bei TikTok Jugendliche für sich gewinnt

Klischees und Reichsadler-Emojis – damit ist die AfD in Sozialen Medien erfolgreich. Weil sich viele Jugendliche bei TikTok und Co. informieren, mahnt ein Experte zum Gegensteuern.

Die AfD ist in den Sozialen Medien erfolgreicher als andere Parteien
Die AfD ist in den Sozialen Medien erfolgreicher als andere ParteienImago / Guido Schiefer

Vor allem junge Menschen werden in Sozialen Medien zunehmend mit rechtspopulistischen Inhalten konfrontiert – das ist für den Medienwissenschaftler Johannes Gemkow ein Anlass zur Sorge. Anfällig für die Botschaften etwa der AfD sei “nur eine Minderheit der jungen Menschen, aber eine wachsende”, sagte Gemkow im Interview mit der Zeitschrift Psychologie Heute. Am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Leipzig untersucht Gemkow den Zusammenhang von Social Media, Populismus und Jugend.

Die AfD habe “mehr als andere Parteien begriffen, wie sich Aufmerksamkeit in den Sozialen Medien erreichen lässt – nämlich durch Posts, die aufregen, provozieren und emotional gestaltet sind und die nicht selten Falschinformationen enthalten”. Besonders spreche die Partei damit Menschen an, die den klassischen Medien misstrauten, fügte der Wissenschaftler hinzu.

TikTok ist nur vermeintlich unpolitisch

Die Posts der AfD seien modern gestaltet, enthielten häufig Musik oder humoristische Elemente. Komplexe Zusammenhänge würden “reduziert auf ein einzelnes Feind- und Weltbild”, so Gemkow. “Die Posts sind geprägt von positiven Emotionen wie Stolz und Zusammenhalt, aber auch von negativen Emotionen wie Aggression, Wut und Ärger.” Bilder von Mann und Frau seien oft stereotyp; mitunter machten sich sogenannte #tradwives (für “traditional wife” – traditionelle Ehefrau) für den “Erhalt traditioneller Frauenbilder” stark. Als Erkennungsmerkmal nutze die Partei Emojis in Form der Reichsflagge, des Adlers oder der Deutschlandfahne.

Das Gefährliche insbesondere bei TikTok sei, “dass scheinbar alles sich um einen unpolitischen Alltag dreht, der aber dann sehr verdeckt mit politischen Botschaften angereichert wird und mit jugendaffinen Elementen”. Die anderen Parteien müssten dazu ein Gegengewicht bilden, indem sie demokratische Werte vermittelten. Der Experte räumte zugleich ein, dass es schwierig sei, mit vernunftbezogenen Erklärungen auf Social Media erfolgreich zu sein.

Medienkompetenz als Schulfach etablieren

Gemkow warb zudem für ein Schulfach Medienkompetenz. “Dabei muss auch deutlich werden, welche Funktion Journalismus für die Demokratie hat, also welche Arbeitsweise der Journalismus hat und dass er nicht dazu da ist, ein bestimmtes Weltbild wiederzugeben.” Jugendliche müssten außerdem lernen, Instrumente wie Faktenchecks zu nutzen.