Der Krieg in Nahost fordert Tote und Verletzte, hat aber noch weiter reichende Folgen: Medizinische Einrichtungen fallen aus, Medikamente werden knapp, giftige Wolken gefährden die Bevölkerung.
Im Nahen Osten kommen laut der Weltgesundheitsorganisation WHO öffentliche Gesundheitssysteme zusehends unter Druck. In einer Warnung am Mittwoch verwies die UN-Einrichtung in Genf auf kriegsbedingte Versorgungsengpässe, die wachsende Zahl von Verletzten und Krankheitsgefahren in Flüchtlingscamps.
So seien im Iran schätzungsweise 100.000 Menschen und im Libanon bis zu 700.000 vertrieben; viele lebten in überfüllten Unterkünften unter eingeschränkten hygienischen Bedingungen. Dadurch drohten unter anderem ansteckende Durchfallerkrankungen. Brennende Erdöl-Anlagen und andere Feuer infolge der Bombardierungen setzten giftige Stoffe frei, die Atembeschwerden, Augen- und Hautreizungen verursachen sowie Trinkwasser und Lebensmittel verunreinigen könnten.
Die Gesundheitsversorgung ist laut WHO in mehreren Ländern zusehends eingeschränkt. Im Libanon hätten Dutzende von medizinischen Einrichtungen wegen israelischer Angriffe den Betrieb eingestellt, während der Bedarf steige. Im Gazastreifen seien medizinische Evakuierungen erneut ausgesetzt; Medikamente und Treibstoff für die Stromerzeugung müssten rationiert werden.
Einschränkungen im Luftverkehr beträfen auch das Logistik-Drehkreuz der WHO in Dubai. Mehr als 50 Nothilfe-Lieferungen für insgesamt über 1,5 Millionen Menschen in 25 Ländern stauten sich. Die Eskalation am Golf falle in eine Zeit, in der der Hilfsbedarf in der Region zu den höchsten weltweit gehöre; 115 Millionen Menschen brauchten humanitäre Unterstützung. Zugleich seien Hilfsprogramme zu 70 Prozent unterfinanziert.
Unterdessen steigt die Zahl der Kriegsopfer: Behörden im Iran meldeten laut WHO über 1.300 Tote und 9.000 Verletzte, im Libanon mindestens 570 Tote und über 1.400 Verletzte; in Israel seien es nach staatlichen Angaben 15 Tote und 2.142 Verletzte. Auch etliche Mitarbeiter von Gesundheitsdiensten seien unter den Opfern.