Millionen Leben gerettet, Milliarden Dollar eingespart – das ist das Fazit der WHO zu globalen Masernimpfprogrammen im zurückliegenden Vierteljahrhundert. Dennoch gibt es laut den Experten Grund zur Sorge.
Durch weltweite Impfprogramme konnten nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO in den vergangenen 24 Jahren knapp 59 Millionen Todesfälle durch Masern verhindert werden. Zwischen 2000 und 2024 ist die Zahl der jährlichen Todesfälle in Verbindung mit der Viruserkrankung um 88 Prozent gesunken, von rund 777.000 auf zuletzt 95.000, wie aus einer am Freitag veröffentlichten WHO-Auswertung hervorgeht. Auch die Zahl der gemeldeten Masernfälle habe in diesem Zeitraum um 71 Prozent abgenommen, von 38 auf zuletzt etwa 11 Millionen.
Nach Angaben der globalen Impfallianz Gavi ist die Masernimpfung auch aus wirtschaftlicher Sicht ein Erfolg. So ergebe sich aus jedem in das Masernimpfprogramm investierten US-Dollar eine ökonomische Leistung von 58 Dollar – durch eingesparte Kosten und unverminderte Arbeitskraft.
Die WHO weist dennoch darauf hin, dass Masern gerade für Kinder unter fünf Jahren eine tödliche Gefahr blieben. Kleine Kinder stellten auch die größte Gruppe unter den für 2024 gemeldeten Todesfällen.
Zudem nahmen laut der Organisation die Masernfälle global zuletzt wieder zu. So meldeten im vergangenen Jahr 59 Länder größere Masernausbrüche, der höchste Wert seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit einhergegangenen Einschränkungen. Vor allem im östlichen Mittelmeerraum hätten die Fälle seit 2019 um 86 Prozent zugenommen, aber auch in Mitteleuropa registrierte die WHO eine Zunahme um 47 Prozent.
Am verheerendsten wirken sich Maserninfektionen den Angaben zufolge aber weiterhin in Afrika aus. Zwar hätten dort Fallzahlen und Todesfälle im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit insgesamt deutlich abgenommen. Allerdings seien die Gesundheitssysteme in vielen Ländern des Kontinents dafür deutlich weniger in der Lage, infizierte Kinder zu versorgen. Überdies hätten auf dem Kontinent im vergangenen Jahr mehr als 10 Millionen Kinder ihre erste Impfdosis nicht erhalten.
“Masern sind das ansteckendste Virus der Welt, und unser Bericht zeigt erneut, dass es jede Lücke in unserer gemeinsamen Verteidigung dagegen nutzen wird”, mahnte WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. “Masern respektieren keine Landesgrenzen, aber wenn jedes Kind in jeder Gemeinschaft dagegen geimpft ist, können kostenintensive Ausbrüche verhindert, Leben gerettet und diese Krankheit aus ganzen Staaten beseitigt werden.”