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WHO: Jede dritte Frau unter 50 Jahren von Gewalt betroffen

Am Internationalen Männertag veröffentlicht die Weltgesundheitsorganisation einen Bericht, der zeigt, wie viele Frauen von durch Männer ausgeübte Gewalt betroffen sind. Anlass ist jedoch ein anderer Aktionstag.

Fast jede dritte Frau zwischen 15 und 49 Jahren war oder ist in ihrem Leben von partnerschaftlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Diese Zahl sei seit dem Jahr 2000 kaum gesunken, so ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO und UN-Partnern vom Mittwoch. Weltweit sind in der Altersgruppe rund 840 Millionen Frauen betroffen, wie aus den anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen am 25. November veröffentlichten Zahlen hervorgeht.

2023 seien 11 Prozent (316 Millionen) der Frauen ab 15 Jahren körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Intimpartner ausgesetzt gewesen. Als “äußerst langsam” bezeichnete die WHO den jährlichen Rückgang der Fälle von rund 0,2 Prozent. Allein 12,5 Millionen Mädchen und Frauen zwischen 15 und 19 Jahren seien bereits Opfer von Gewalt durch ihren Partner geworden – ein Anteil von 16 Prozent in der Altersklasse.

Körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Nicht-Partner hätten 263 Millionen Frauen erfahren. Die Zahl liege wegen Stigmatisierung und Angst vermutlich deutlich höher, hieß es. Für betroffene Frauen steige das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft, für sexuell übertragbare Infektionen und Depressionen.

“Gewalt gegen Frauen ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Ungerechtigkeiten der Menschheit, dennoch wird dagegen immer noch am wenigsten unternommen”, erklärte WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. Diese Gewalt zu beenden, sei nicht nur eine Frage der Politik, sondern auch der Würde, der Gleichberechtigung und der Menschenrechte. “Keine Gesellschaft kann sich als fair, sicher oder gesund bezeichnen, wenn die Hälfte ihrer Bevölkerung in Angst lebt.”

Besonders prekär ist die Situation laut Bericht in Ozeanien ohne Australien und Neuseeland. 38 Prozent der Frauen in einer Partnerschaft seien dort von Gewalt betroffen. In Zentral- und Südasien seien es 18 Prozent, in Subsahara-Afrika 17 sowie in der Region Nordafrika und Westasien 14 Prozent. Unter dem weltweiten Durchschnitt von 11 Prozent liegen demnach Ost- und Südostasien (8 Prozent), Lateinamerika und Karibik (7 Prozent) sowie Europa und Nordamerika (5 Prozent).

Trotz zunehmender Belege für wirksame Strategien zur Verhinderung von Gewalt an Frauen nehme die Finanzierung entsprechender Programme ab. Nur 0,2 Prozent der weltweiten Entwicklungshilfe seien 2022 dafür bereitgestellt worden, bis 2025 seien die Mittel weiter zurückgegangen.

Der Bericht knüpft laut WHO an frühere Schätzungen an und analysiert Daten aus 168 Ländern aus den Jahren 2000 bis 2023. Beteiligt waren neben der WHO Vertreter von UN Women, Unicef und weiteren UN-Einrichtungen.