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Wetterdienst: 2024 wärmstes Jahr seit Messbeginn

Das vergangene Jahr ist aufgrund eines äußerst milden Winters und eines rekordwarmen Frühjahrs das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Messungen gewesen. Die Durchschnittstemperatur 2024 von 10,9 Grad Celsius sei ein „erneuter Allzeitrekord“ für Deutschland, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Dienstag mit. „Erschreckend ist vor allem, dass der alte Rekord aus 2023 gleich um 0,3 Grad übertroffen wurde. Das ist aus klimatologischer Sicht absolut außergewöhnlich“, sagte Andreas Becker, Leiter Klimaüberwachung des DWD.

Der DWD erfasste nach eigenen Angaben 2024 deutschlandweit im Mittel 52 Sommertage mit einer Höchsttemperatur von über 25 Grad und zwölf heiße Tage mit über 30 Grad. Das seien fast doppelt so viele Sommertage und fast dreimal so viele heiße Tage wie üblich. Darin zeige sich ein Trend der Beschleunigung der Erwärmung. Die zehn wärmsten Jahre seit 1881 seien in den vergangenen 25 Jahren aufgetreten. Der DWD nutze zur präziseren Darstellung des beschleunigten Temperaturanstiegs eine neue „Klimatrendlinie“. Demnach habe sich Deutschland im Vergleich zur frühindustriellen Zeit bereits um durchschnittlich 2,5 Grad erwärmt.

Gleichzeitig kommt es nach Angaben des DWD zu einem immer ausgeprägteren Wechsel zwischen überdurchschnittlich nassen und sehr trockenen Jahren. Es gebe eine Zunahme von extremen Wetterereignissen wie Starkregen und Dürren. Die Erhitzung des seit Jahren überdurchschnittlich warmen Mittelmeers und nun auch europanaher Bereiche des Nordatlantiks sowie der Nord- und Ostsee führe zu einer stärkeren Verdunstung und mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. Dieser entlade sich in heftigen Starkregen. Das Jahr 2024 sei in Deutschland überdurchschnittlich nass gewesen. Mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 902 Litern pro Quadratmeter sei der zwölfthöchste Wert seit 1881 erreicht worden.

Der Regen ist dem DWD zufolge regional unterschiedlich gefallen. So sei es trotz des kräftigen Niederschlags in wenigen Regionen in Sachsen, Brandenburg und Baden-Württemberg zu trocken gewesen. Der Wind habe im vergangenen Jahr in durchschnittlicher Stärke geweht. Die Sonneneinstrahlung sei etwas höher gewesen als im Durchschnitt der Jahre 1991-2020, was der Stromproduktion aus Photovoltaik zugutekam.

Der DWD habe das Problem der „Dunkelflauten“ für die Stromerzeugung aus Sonne und Wind untersucht, erklärte die Vizepräsidentin Renate Hagedorn. Am 6. November und am 12. Dezember seien windschwache Phasen mit der niedrigen Sonnenscheindauer zusammengefallen. Zeitgleich habe es aber im Norden Skandinaviens überdurchschnittlich starken Wind gegeben, so dass die Möglichkeit eines innereuropäischen Stromausgleichs bestanden habe. Die Analyse aller Winterhalbjahre seit 1951 zeige, dass die „Dunkelflauten“ trotz der Klimaerhitzung nicht zugenommen hätten.