Die neue westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder hat ihre Landeskirche zu einer grundlegenden Erneuerung aufgerufen. Es gehe darum, „der längst veränderten gesellschaftlichen und kirchlichen Situation Rechnung zu tragen und uns entsprechend neu aufzustellen“, sagte die leitende Theologin am Montag in ihrem ersten Bericht an die Landessynode der viertgrößten deutschen Landeskirche mit knapp 1,9 Millionen Mitgliedern. „Sowohl unsere Strukturen als auch unsere innere Haltung bedürfen der Wandlung.“ Das sei auch ein geistlicher Prozess.
Ruck-Schröder stellte ihren Bericht unter das Bibelwort „Siehe, ich mache alles neu“, das Motto der Jahreslosung für 2026. Als „Hausaufgaben“, die für eine tiefgreifende Erneuerung erledigt werden müssten, nannte sie zehn Punkte, insbesondere Strukturreformen, eine neue Kommunikationskultur zwischen den kirchlichen Ebenen und eine konsequente Haushaltskonsolidierung. Außerdem müssten junge Menschen stärker beteiligt werden, dazu brauche es einen Perspektivwechsel: „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind Kirche und prägen die Zukunft von Kirche.“
In der Landeskirche müsse „Macht und Kompetenz klar zugewiesen werden, damit sie auch verantwortlich und überprüfbar ausgeübt werden kann“, sagte die 59-Jährige. Um das überfrachtete Präses-Amt zu entlasten, habe sie bereits die Leitung des Kollegiums im Landeskirchenamt an ihren Stellvertreter delegiert.
Nach dem Rücktritt des bisherigen Juristischen Vizepräsidenten Arne Kupke vor Beginn der Synode werde geprüft, ob der Titel eines Vizepräsidenten überhaupt neu vergeben werden soll. Es sei auch wichtig, Dinge zu lassen, betonte die Präses: „Wir sind nicht verpflichtet, überkommene Strukturen, die nicht mehr passen, weiterzuführen.“ Operative Entscheidungen müssten schneller und selbstständiger getroffen werden können.
Die geplante Reform der Kirchenordnung soll laut Ruck-Schröder den veränderten Kommunikations- und Lebensbedingungen in Kirche und Gesellschaft Rechnung tragen und so „die zeitgemäße Erfüllung des Auftrags der Kirche“ ermöglichen.
Einen Meilenstein sieht die oberste Repräsentantin der westfälischen Kirche mit der landeskirchlichen Haushaltssicherung erreicht. Die Konsolidierung müsse weitergehen. Mit den Ressourcen müsse sparsam umgegangen werden, es reiche aber nicht, „an allen Ecken ein bisschen“ zu sparen: „Wir brauchen eine klare Strategie und einen neuen Mix aus Bewahrenswürdigem und Neuem, mit dem wir Menschen erreichen.“