Wenn weißer Rauch zur Weltnachricht wird

Die Papstwahl ist ein komplexes Ritual - mit langer Vorgeschichte

Nicht erst seit dem Spielfilm "Konklave" beschäftigt der Ablauf einer Papstwahl die Fantasie vieler Menschen - auch jenseits der katholischen Kirche. Ein neues Buch lüftet (fast) alle Geheimnisse um das uralte Ritual.

Das Ritual, bei dem sich rund 120 Kardinäle in roten Gewändern in der Sixtinischen Kapelle versammeln, um den Nachfolger des Apostels Petrus zu bestimmen, ist geheimnisumwittert wie kein anderer Wahlvorgang auf dem Planeten. Die indirekte, mehrstufige Bekanntgabe der Ergebnisse (mit dem schwarzen und später dann dem weißen Rauch, der beim Verbrennen der Stimmzettel entsteht) und schließlich die Ausrufung und Vorstellung des neuen Papstes vor der Menschenmenge auf dem Petersplatz - all das ist eine perfekte Inszenierung, an die keine andere Institution heranreicht.

Doch dieses erhabene Prozedere wurde keineswegs "schon immer so" gehandhabt. Vielmehr ist es das Ergebnis einer jahrhundertelangen, mitunter chaotisch anmutenden Entwicklung. Wie die verlief, hat ein ausgewiesener Vatikankenner in einem ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Buch nachgezeichnet. Unter dem Titel "Weißer Rauch und falsche Mönche" erzählt der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Stefan von Kempis, die fast 2.000-jährige Geschichte der Papstwahlen von den Tagen der Apostelnachfolger bis heute. Am Ende wagt er sogar einen Blick in die Zukunft und sinniert über eine Papstwahl per App - an der dann natürlich auch Frauen mitwirken dürfen.

Doch liegt der Schwerpunkt der Darstellung auf der verschlungenen Geschichte des Konklaves mit vielen bekannten und weniger bekannten Details: Dazu gehört, dass die Sixtina erst seit dem 19. Jahrhunderte (aus kirchlicher Perspektive also erst "seit kurzer Zeit") der beständige Wahlort ist. Oder dass die Kardinäle erst seit knapp tausend Jahre das Wahlmänner-Gremium stellen.

Wer wissen will, nach welchen Regeln das Konklave ablaufen wird, in dem die Kardinäle den Nachfolger für Papst Franziskus wählen werden, der muss sich bis zur Seite 267 des 320 Seiten umfassenden Buchs gedulden. Doch der Weg dorthin lohnt sich. Er ist gespickt mit kurzweiligen Details und Anekdoten - etwa jenen um das turbulente, 113 Tage dauernde Konklave des Jahres 1559, bei dem falsche Mönche in den Straßen Roms auftauchten und mit ketzerischen Lehren Verwirrung stifteten.

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