Hannover/Olpe. Fest angeschnallt sitzt Clara Akkermann in ihrem Spezialrollstuhl, die wachen Augen streunen umher. Die zierliche Hand der 20-Jährigen liegt auf einem roten Igelball, den ihre Mutter festhält. Ein Tuch aus rotem Tüll und ein Spielzeug aus bunten Holzperlen und Stäben hat Clara vor sich auf dem Tisch. "In den Ferien beschäftigen wir uns zu Hause mit Clara", sagt Almut Akkermann (52) und blickt ihre Tochter liebevoll an. "Auch in die Küche und in den Garten nehmen wir sie mit." Clara ist körperlich und geistig schwerstbehindert.
Einen Urlaub hat die Familie in diesem Sommer ebenfalls geplant - trotz Corona. Dann führt der Weg sie vom heimischen Neustadt am Rübenberge bei Hannover in ein Ferienhaus in die sächsische Schweiz. "Da haben wir eine große Wiese ganz für uns." Bald danach wartet eine neue Herausforderung auf die junge Frau.
Clara mit ihrer Mutter Almut Akkermann und Krankenschwester Lisa Greve-Kramer an der Nähmaschine. epd/Jens Schulze
Etwa 50.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leben wie Clara mit einer lebensverkürzenden Erkrankung. Viele sind schwerstbehindert, sterben im Kindes- oder Jugendalter. Doch die medizinische Versorgung verbessert sich stetig, immer mehr erreichen das Erwachsenenalter.
Damit wird auch der Bedarf nach speziellen Wohnformen für diese jungen Menschen größer. "Ich wünsche jedem jungen Erwachsenen, dass er Erfahrungen fernab des Elternhauses machen darf", sagt Hubertus Sieler, Familienberater beim Deutschen Kinderhospizverein in Olpe.
So viel Normalität wie möglich
Die Akkermanns wollen, dass ihre Tochter, die unter einer lebensverkürzenden Erkrankung der weißen Hirnsubstanz leidet, teilhat am Alltag. Sie verschaffen Clara so viel Normalität wie möglich: Kindergarten, Schule, Familienfeste, Ausflüge, Urlaube - alles macht sie wie ihre beiden Brüder Jaron (17) und Josia (13) mit. Und doch ist alles anders: "Immer muss jemand mit Clara sein, für sie sorgen", sagt Almut Akkermann. Sanft streichelt sie Claras Wange. Bald wird die 20-Jährige wie andere junge Frauen ausziehen, nach Hannover in eine integrative Pflege-Wohngemeinschaft mit anderen jungen Menschen. "Wir können uns jetzt vorstellen, Clara von anderen betreuen zu lassen", sagt ihr Vater Matthias Akkermann (49). Clara ist erwachsen, die Eltern sind manchmal am Ende ihrer Kräfte.WG-Haus mit behinderten und nicht behinderten Menschen
In ihrem neuen Zuhause wird sie mit drei anderen schwerstbehinderten und lebensverkürzend erkrankten, aber auch mit vier nicht behinderten jungen Menschen leben. Es ist die deutschlandweit erste WG dieser Art, gegründet und geführt vom Kinder- und Jugendhospiz "Löwenherz" in Syke bei Bremen. Das WG-Haus in Hannover-Anderten wird vier große Pflegezimmer sowie Küche und Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss haben, erklärt Geschäftsführerin Gaby Letzing. Vier Zimmer in der ersten Etage sind für nichtbehinderte Azubis oder Studenten bestimmt: "Sie sollten zumindest Interesse am Projekt haben und sich am täglichen Leben beteiligen." Sie dürfen, müssen aber nicht bei der Betreuung helfen. Die Pflege, die Versorgung und das Freizeitprogramm werden durch angestellte Fachkräfte rund um die Uhr sichergestellt. "Das wird sehr schön werden", schwärmt Matthias Akkermann. "Dort wird sie noch einmal viele neue Dinge kennenlernen, die wir ihr gar nicht bieten können. Vielleicht kann sie mit den anderen Bewohnern sogar mal ausgehen." Der Vater weiß nicht, was seine Tochter von ihrer Umwelt aufnimmt. "Aber wenn Clara Anregungen bekommt, dann reagiert sie."
Clara mit ihrer Mutter Almut Akkermann und Krankenschwester Lisa Greve-Kramer an der Nähmaschine. epd/Jens Schulze
Etwa 50.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leben wie Clara mit einer lebensverkürzenden Erkrankung. Viele sind schwerstbehindert, sterben im Kindes- oder Jugendalter. Doch die medizinische Versorgung verbessert sich stetig, immer mehr erreichen das Erwachsenenalter.
Damit wird auch der Bedarf nach speziellen Wohnformen für diese jungen Menschen größer. "Ich wünsche jedem jungen Erwachsenen, dass er Erfahrungen fernab des Elternhauses machen darf", sagt Hubertus Sieler, Familienberater beim Deutschen Kinderhospizverein in Olpe.
