Lange Zeit war es hauptsächlich der evangelische Religionsunterricht im Berufskolleg, der von Pfarrerinnen und Pfarrern erteilt wurde. Inzwischen gibt es auch an allgemeinbildenden Schulen Schulpfarrerinnen und -pfarrer. Einige unterrichten in Teilzeit, andere in Vollzeit. Einige sind allein für Religionsunterricht zuständig, andere haben neben dem Unterricht noch Aufgaben im Bereich der Konfirmandenarbeit, wenn sie an der Schule und nicht in den Wohnsitzkirchengemeinden durchgeführt wird. Oder die Pfarrerinnen und Pfarrer sind in der Schulseelsorge oder als Beratungslehrkräfte tätig, befassen sich sowohl mit Fragen der Schullaufbahn und Berufsfindung als auch mit Fragen des Lebens.
An Grundschulen kommt die Möglichkeit der evangelischen Kontaktstunde hinzu. Neben haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden aus Kirchengemeinden wird diese schulische Veranstaltung im dritten und/oder vierten Schuljahr oft auch durch Pfarrerinnen und Pfarrer als wöchentliches Angebot oder als Projekt wahrgenommen. Der Name besagt, was den Dienst von Pfarrerinnen und Pfarrern in der Schule ausmacht. Es gibt einen besonderen Kontakt zwischen Schule und Kirche.
Der Kontakt dient beiden: Gemeinde und Schule
Von diesem Kontakt profitieren in der Regel beide Seiten. Für die Schule entsteht eine wichtige Vernetzung mit der Kirchengemeinde vor Ort, die zum Beispiel dazu beiträgt, dass Schulgottesdienste, das Aufsuchen außerschulischer Lernorte in der Kirchengemeinde und allgemein die Zusammenarbeit etwa zwischen Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit viel niederschwelliger und damit selbstverständlicher wird. Auch die Unterstützung bei besonderen Notsituationen in der Schule durch Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinde gestaltet sich einfacher und effektiver, wenn bereits eine gute Basis der Zusammenarbeit gefunden ist. Für die Kirchengemeinde liegt eine große Chance darin, von der Kompetenz der Lehrkräfte, ganz besonders der Lehrkräfte für evangelische Religionslehre, zu profitieren.
Auch bietet die Zusammenarbeit eine gute Möglichkeit, den Kontakt zu den Kollegien und zu den Schülerinnen und Schülern und damit oft auch zu deren Familien zu intensivieren oder überhaupt herzustellen. Pfarrerinnen und Pfarrer werden so mit dem Lebensalltag der Schülerinnen und Schüler vertraut und lernen ihre Sicht auf das Leben, ihr Denken und Tun besser kennen. So gibt es eine Begegnung der Kirchengemeinde mit den jungen Menschen zwischen Taufe und Konfirmandenarbeit.
In einigen Landeskirchen gehört zu jeder Gemeindepfarrstelle auch die Aufgabe, für wenige Stunden an einer Schule Unterricht zu erteilen. Das ist in der westfälischen Landeskirche so allerdings nicht der Fall. Hier gibt es in Absprache mit dem Land NRW eingerichtete Schulpfarrstellen oder Gestellungsverträge. Pfarrerinnen und Pfarrer kommen nur dann zum Einsatz, wenn der evangelische Religionsunterricht nicht durch ausgebildete Lehrkräfte erteilt werden kann. Um den Ausfall des Religionsunterrichts zu verhindern, können sie dann die Aufgaben von Lehrkräften übernehmen.
Schultermine rangieren vor Gemeindeterminen
Gemeindeglieder, die keinen direkten Kontakt zu schulpflichtigen Kindern haben, merken meist nicht sofort, dass zum Beispiel ein Pfarrer mit einem kleineren Pfarrbezirk auch in der Schule Dienst tut. Aber es wirkt sich unmittelbar auf die Terminplanung in den Gemeinden aus. Pfarrerinnen und Pfarrer in der Schule haben während der Schulzeit feste Termine, an denen sie Unterricht erteilen, an Konferenzen teilnehmen oder sonstige schulische Aufgaben wahrnehmen müssen. Die Flexibilität für Termine in der Gemeinde ist damit deutlich eingeschränkt.
Auch die Verpflichtung, den Jahresurlaub innerhalb der Schulferien zu nehmen, kann dazu führen, dass Pfarrerinnen und Pfarrer, die in Schule und Gemeinde tätig sind, auch einmal zu kirchlichen Festzeiten ihren Urlaub nehmen müssen. Andersherum führt die intensive Zusammenarbeit in der Schule dazu, dass in Bereichen der Gemeindearbeit Menschen mitmachen, die durch den persönlichen Kontakt auf die Gemeindeangebote aufmerksam geworden sind und dann dort ihren Ort gefunden haben.