Am 6. März ist es so weit: Der Weltgebetstag wird – wie in jedem Jahr am ersten Freitag im März – wieder in vielen christlichen Gemeinden auf der ganzen Welt in ökumenischer Verbundenheit gefeiert. In diesem Jahr haben nigerianische Christinnen die Ordnung vorbereitet.
Mich beschäftigt die Arbeit am Weltgebetstag nicht nur Anfang März, sondern das ganze Jahr über: Im Sommer lädt das Deutsche Komitee des Weltgebetstags zu Ökumenischen Bundeswerkstätten ein. Teilnehmerinnen sind Multiplikatorinnen, also die Frauen, die selbst im Herbst und Winter Werkstätten mitgestalten. Dort treffen sich kreative, begeisterungsfähige Frauen unterschiedlicher Konfessionen aus ganz Deutschland und einigen Nachbarländern, um die Ordnung für den nächsten Weltgebetstag kennenzulernen, vor allem aber, um etwas über das Land zu erfahren, aus dem die jeweilige Ordnung kommt.
Weltgebetstag: Kultur, Geschichte und Politik des Landes im Fokus
Es geht nämlich beim Feiern des Weltgebetstages nicht nur darum, vorgegebene Texte im Gottesdienst abzulesen, sondern auch um die ernsthafte Beschäftigung mit dem Weltgebetstagsland und die Frage, vor welchen Herausforderungen die Frauen in dem jeweiligen Land stehen. Manche vorsichtigen Andeutungen werden erst durch Kenntnis der Kultur, der Geschichte oder der aktuellen politischen Lage verständlich.
Wofür bitten die Frauen? Um unser Mitbeten und unsere Solidarität. Dabei können wir etwas von den Krisenbewältigungsstrategien der Frauen lernen, die von deren Frömmigkeitsstil mitgeprägt sind. Außerdem legen die Frauen Bibeltexte aus. So bekommen wir selbst frische Impulse und Ermutigung. Auf den Bundeswerkstätten werden kreative Umsetzungen zu Abschnitten der Weltgebetstagsordnung entwickelt und erprobt.
Ökumenische Teams gestalten den Weltgebetstag
Viele kreative Ideen, die entstehen, finden Eingang in das Material, das den Gottesdienstteams zur Verfügung gestellt wird. Auch die Teams, die die Brandenburger Wochenendwerkstatt und die Berliner Tageswerkstätten im November und Januar vorbereiten, sind ökumenisch besetzt. Sie werden sowohl personell und organisatorisch als auch inhaltlich vom Amt für kirchliche Dienste in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (AKD) unterstützt.
Ohne diese Unterstützung wäre es bei allem ehrenamtlichen Engagement nicht möglich, diese Arbeit zu leisten. So bereiten unter dem Dach des AKD Frauen aus der evangelischen Landeskirche gemeinsam mit römisch-katholischen, alt-katholischen, baptistischen und mennonitischen Christinnen die Werkstätten vor. Die Teilnehmerinnen kommen aus noch mehr Konfessionen.
Frauen gestalten gemeinsam
Diesen ökumenischen Austausch empfinden wir als ausgesprochen wertvoll und bereichernd. Vieles, was der einen aus der eigenen Tradition selbstverständlich erscheint, muss anderen Frauen erklärt werden. Verschiedene Blickwinkel geben uns frische Impulse.
Dann kommt die Gottesdienstvorbereitung in einem ökumenischen Team vor Ort, die Diskussion über die konkrete Umsetzung der Ordnung für unsere Region. In meiner Region hat das ökumenische Frauen-Team auch Gemeindezusammenlegungen überstanden.
Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit verbindet
Am Weltgebetstag selbst verbindet uns weltweit im Gebet unsere gemeinsame Sehnsucht nach Frieden, Gerechtigkeit, Schutz vor Gewalt und Erhaltung der Lebensgrundlagen über Landesgrenzen, unterschiedliche Konfessionen und kulturelle Prägungen. Einen Tag lang ist es ein gemeinsames Gebet, was durch die ganze Welt wandert – ein berührender Gedanke.
Das gemeinsame Beten und das gegenseitige Lernen unter Frauen aus anderen Ländern und Konfessionen ist für mich aktive Friedensarbeit. Es ermutigt Frauen und Mädchen, durch den Weltgebetstag die eigene Stimme und Gehör in aller Welt zu finden. Sie erfahren spirituelle Stärkung durch das gemeinsame Gebet. Die Frauen, die diese Arbeit vor fast 100 Jahren begonnen haben, wollten nach dem Ersten Weltkrieg und erst recht nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem gemeinsamen Gebet über Ländergrenzen und Allianzen hinweg ein bewusstes Friedenszeichen setzen. Heute brauchen wir dieses Zeichen weiterhin.
Spenden für Projekte im Weltgebetstagsland
Und schließlich setzt der Weltgebetstag auch immer wieder frische Impulse für Initiativen vor Ort und sammelt Spenden für Projekte in aller Welt, die also nicht nur Frauen und Mädchen aus dem aktuellen Weltgebetstagsland zugutekommen.
In meinen Alltag als Religionslehrerin dringt täglich ein kleines Stückchen Weltgebetstag: Meinen Unterricht an einer Berliner Grundschule mit Kindern unterschiedlichster Herkunft beginne ich mit einem Friedensgruß, der aus der Liturgie aus Taiwan von 2023 stammt.
Annette Wodinski ist Religionslehrerin in Berlin. Seit 2018 ist sie Teil des ökumenischen Werkstättenteams des Weltgebetstages unter Leitung des Amts für kirchliche Dienste in der EKBO.
