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Weihnachtsgeschichte: Fast alles erfunden, aber trotzdem faszinierend

Dass Jesus in einem Stall geboren wurde, von der Jungfrau Maria, im kalten Winter und begleitet von Ochs und Esel – das gehört für die meisten Menschen zwar grundlegend zur Weihnachtsgeschichte dazu, entspricht nach Ansicht des Bibelwissenschaftlers Simone Paganini jedoch nicht der Wahrheit. „Man hat eine Geschichte ausgeschmückt mit jeder Menge Details, die man alle wegtun kann“, sagte Paganini, der an der RWTH Aachen Bibeltheologie lehrt, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Autoren der Evangelien hätten diese Details dazu erfunden, um ihre damaligen Hörerinnen und Hörer „mitzunehmen“. Das Einzige, „was historisch sicher ist, ist, dass da irgendwann ein Kind geboren ist“.

Die Autoren erzählten jedoch keine „Lügen“, um ihre Hörer zu überzeugen, „sondern sie erzählen eine Geschichte, die Sinn macht“, sagte Paganini weiter. „Es ist eine sinnstiftende Erzählung, die nicht erzählt wird, um etwas Wahres zu sagen, sondern um eine Identität zu begründen.“ Man könne die Bibel auf vielen verschiedenen Ebenen lesen, als Glaubensbuch oder auf der Suche nach historischen Quellen. Aber auch wenn man feststelle, dass Jesus nicht in einem Stall geboren worden sei, müsse das dem eigenen Glauben keinen Abbruch tun. „Mein Glauben kann dadurch sogar reifer werden“, so der Bibelwissenschaftler. „Die Weihnachtsgeschichte ist wahr, weil die Menschen sie für sich wahr machen.“

Die Weihnachtsgeschichte habe auch nach 2000 Jahren ihre Faszination nicht verloren, so Paganini. Eine Erzählung von einem Menschenskind, das genauso Gott sei wie sein göttlicher Vater, habe es vorher noch nicht gegeben. Die „Vorstellung, dass wir nicht allein sind, dass Gott entscheidet, unsere Existenz zu teilen, und zwar als Baby, das ungeschützteste, das es überhaupt gibt – ich glaube, das ist das Zentrum“, so Paganini. (3765/29.11.2025)