Was Wissenschaft und Medizin über das Lachen wissen

Lachen ist ansteckend. Sobald andere Menschen in unserem Umfeld lachen, fällt es äußerst schwer, sich selber ein Lachen zu verkneifen. Das zeigt, wie sehr Menschen soziale Wesen sind.
Was Wissenschaft und Medizin über das Lachen wissen
Lachen verbindet, schützt das Herz und schenkt Freude - Imago / Rupert Oberhäuser
Lachen und Karneval gehören zusammen. Lachen soll gesund sein - auch wenn das so genau noch nicht erwiesen ist. Aus Anlass der närrischen Tage ein Blick auf das, was über das Lachen bekannt ist. Mit zunehmendem Alter werden Menschen offenbar immer ernster: Erwachsene bringen es in westlichen Ländern nur noch auf 15 bis 20 Lacher täglich - bei Kindern sind es etwa 400. Frauen lachen und lächeln nach einer neuen Studie der Uni Basel häufiger als Männer. Dabei dauert ein Lacher in der Regel zwei Sekunden und sieben schnelle "Hahas".

Lachen aktiviert über 300 Muskeln im Körper

Da beim Lachen über 300 verschiedene Muskeln aktiviert werden, ist gelegentlich auch vom "inneren Jogging" die Rede. Der Lachreflex lässt Gesichts- und Bauchmuskeln kontrahieren und kurbelt das Herz-Kreislauf-System an. Mit Tempo 100 schießt die Luft beim Lachen durch die Lunge und bringt dabei die Stimmbänder zum Schwingen. Der Blutdruck steigt, die Atmung wird schneller und tiefer. Die Lunge nimmt dabei etwa dreimal so viel Sauerstoff auf wie im Normalzustand. Organe und Hirn werden besser versorgt. Die darauffolgende Entspannung senkt den Stresspegel und setzt Glückshormone frei. Lachen kann Forschern der Universität Oxford zufolge möglicherweise auch vor Schmerzen schützen. Endorphine werden freigesetzt und die Reizschwelle erhöht.

Lachen als Herzschutz: Warum Humortraining helfen kann

Ob Lachen gravierende positive gesundheitliche Auswirkungen hat, ist wissenschaftlich durchaus umstritten. Der Stuttgarter Kardiologe Peter Ong ist sich allerdings sicher, dass Lachen und Humortraining positive Effekte haben, die besonders Herzkranken zugutekommen. Es weite die Blutgefäße und fördere die Atmung, erklärte der Oberarzt der Abteilung für Kardiologie am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart im vergangenen Jahr in einem Podcast für die Deutsche Herzstiftung. Beim Lachen würden nicht nur Glückshormone (Endorphine) und Serotonin sowie Immunglobuline (verstärkte Abwehr) ausgeschüttet; auch werde das Stresshormon Adrenalin unterdrückt, was dazu führt, dass im Blut der Spiegel des bei Stress erhöhten Hormons Cortisol sinkt. Humortraining verbessere auch die depressive Stimmung und steigere die Erheiterbarkeit. Weitere Studien zeigen, dass Lachen Schmerzen erträglicher machen kann.
Lachendes Paar im Skiurlaub
Studien zeigen, wie Humor Herz, Kreislauf und soziale Bindungen positiv beeinflussen kann - Imago / imagebroker
Nach einer im vergangenen Dezember veröffentlichten Studie des Universitätsklinikums Hamburg sind Menschen, die viel lachen, weniger einsam, weniger sozial isoliert oder zurückgezogen. Das gilt vor allem für Menschen, die während Gesprächen, beim Besuch kultureller Veranstaltungen, aber zum Teil auch beim Lesen eines Buches viel lachen. Menschen, die vor allem beim Konsumieren digitaler Medien lachen, fühlen sich hingegen nicht sozial verbundener. Für die Studie wurden 5.000 Erwachsene zwischen 18 und 74 Jahren in Deutschland befragt. "Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass Lachen dabei helfen kann, soziale Bindungen zu stärken und Einsamkeit, Isolation und sozialen Rückzug zu überwinden", so die Wissenschaftler.

Lachen hat viele Gesichter – von Freude bis Häme

Keineswegs. Es gibt nicht nur das freundliche Anlächeln oder das Lachen über Dinge, die Menschen als lustig erleben. Es gibt auch das höhnische, gehässige Lachen. Gelacht wird auch aus Verbitterung, Häme, Aggressivität, Nervosität oder ganz einfach aus Erleichterung. Menschen können ein Lachen auch vortäuschen, um Mitmenschen zu täuschen oder die Fassade zu wahren. Aus Sicht des Verhaltensforschers Konrad Lorenz gehörte das Lachen zunächst zum Repertoire des menschlichen Drohverhaltens. Im Vordergrund stand das Fletschen der Zähne. In Alltag und Beruf gibt es Situationen, in denen Lachen unangebracht ist.
Frau sitzt lachend vor dem Laptop
Studien zeigen, wie eng Freude, Gesundheit und Miteinander verbunden sind - Imago / Westend61
Auch Lachen zur Unzeit kann negative Folgen haben, wie Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Wahlkampf 2021 im Ahrtal schmerzhaft erfuhr. Sein heiterer Moment während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach der Flutkatastrophe wurde viel kritisiert. Sich ein Lachen verkneifen zu können, ist daher eine wichtige Kompetenz. Trotzdem fällt es oft schwer. Sobald andere lachen, ist es ungeheuer schwierig, die eigene Reaktion zu kontrollieren. Das zeigt nach Angaben von Psychologen, wie sehr Menschen als soziale Wesen geprägt sind.

Lachen wirkt ansteckend schon auf neurologischer Ebene

Schon das Geräusch lachender Menschen veranlasst das Gehirn, die Gesichtsmuskeln automatisch aufs Mitlachen vorzubereiten. Dafür sind die Spiegelneuronen im Gehirn zuständig. Sie sorgen dafür, dass wir uns in unser Gegenüber hineinversetzen und dessen Gefühle, Einstellungen und Ziele besser verstehen können. Dass Lachen ansteckend ist, war schon im alten Griechenland bekannt. Dort wie auch in Rom gab es die Praxis, bei der Aufführung von Komödien ein paar Zuhörer dafür zu bezahlen, dass sie an bestimmten Stellen lachen und damit das nichts ahnende Publikum ebenfalls zum Lachen bringen. In Frankreich wurde es im 16. Jahrhundert üblich, und später auch in ganz Europa, dass Theater sogenannte Claqueure anheuerten, die bei bestimmten Szenen klatschen und jubeln sollten. Im Zeitalter der Unterhaltungselektronik wurde das Live-Publikum schließlich zunehmend durch aufgezeichnete Lach-Tonspuren ersetzt. Die Wissenschaft vom Lachen heißt Gelotologie - wegen des griechischen Wortes "gelos", das Gelächter bedeutet. Als ihr Begründer gilt der US-Psychiater William F. Fry. Er gründete 1964 in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien das Institut für Humorforschung. Allerdings gibt es auch das Krankheitsbild der Gelotophobie. Beschrieben wird damit die quälende Angst, ausgelacht zu werden.

Forschung entdeckt neue Formen des Lachens

Lange waren Wissenschaftler überzeugt, dass das Lachen eine Eigenart des Menschen ist. Mittlerweile gibt es Untersuchungen, nach denen auch Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos, aber auch Ratten Lachgeräusche produzieren, wenn sie gekitzelt werden. Zahlreiche weitere Tierarten können Artgenossen über bestimmte, dem menschlichen Lachen vergleichbare Laute signalisieren, dass sie freundlich gesinnt sind und etwa zum Spielen bereit sind.

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