Frankfurt a.M. (epd). Schon zu biblischen Zeiten war Lepra bekannt. Und noch immer ist die lange als «Aussatz» verschriene Krankheit nicht bezwungen. Saskia Kreibich von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) erklärt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), warum.
epd: Warum ist Lepra überhaupt noch ein Thema?
Kreibich: Lepra ist immer noch ein Thema, weil die Betroffenen kaum Aufmerksamkeit von Politik, Wissenschaft und der Öffentlichkeit erhalten - obwohl es jährlich noch immer rund 200.000 neue Fälle gibt. Das liegt auch daran, dass Lepra eine Krankheit der Armut ist und überwiegend im globalen Süden auftritt. In diesen Ländern sind die Ressourcen für die Gesundheitssysteme absolut unzureichend. Und
für die Pharmaindustrie im globalen Norden ist Lepra leider finanziell nicht ausreichend interessant, um groß in die Erforschung eines dringend benötigten Impfstoffes oder in verbesserte Diagnostika zu investieren.
Außerdem ist Lepra auch wegen der damit verbundenen Stigmatisierung und Diskriminierung weiter ein Thema: Gerade weil Lepra als historisches Überbleibsel abgestempelt ist, erfahren betroffene Menschen Stigmatisierung. Um die Diskriminierung zu vermeiden, suchen sie oft gar keine Hilfe. Fehlender oder zu später Zugang zu einer Behandlung lässt das Risiko für schwere Krankheitsverläufe oder Behinderung erheblich steigen. Gleichzeitig kann es zu weiteren Infektionsübertragungen im Umfeld kommen.
epd: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Lepra-Arbeit?
Kreibich: Leider deutlich negative. Wie der Bericht der Weltgesundheitsorganisation vom vergangenen Jahr zeigt, sind 2020 mehr als ein Drittel weniger Lepra-Patienten und Patientinnen diagnostiziert wurden als im Vorjahr. Das liegt nicht an derart stark
sinkenden Infektionen, sondern daran, dass es aufgrund von Corona-Schutzmaßnahmen wie Ausgangsperren und Lockdown-Vorgaben deutlich schwieriger war, entlegene Gebiete zu erreichen - doch das sind die Hochrisikogebiete für anhaltende Lepra-Übertragungen.
Auch darüber hinaus ist es alarmierend, wie sehr die Lepradienste durch die Pandemie in den Hintergrund gerückt sind. Vielerorts kam es zu drastischen Versorgungsengpässen der Medikamententherapie für Lepra, und ohnehin schon knappes Gesundheitspersonal oder gar gesamte Kliniken wurden zum Zwecke der Covid-19-Versorgung umgewidmet.
epd: Was macht die Suche nach einem Impfstoff und wie sind die Perspektiven auf letztlich doch einen Sieg über die Lepra?
Kreibich: Es gibt einen potenziell geeigneten Lepra-Impfstoffkandidaten namens «LepVax», an dem bereits seit 17 Jahren geforscht wird. 2021 sollte dessen Erforschung in eine entscheidende Phase gehen. Doch die geplanten medizinischen Standorte wurden für die Covid-19-Impfstoffentwicklung benötigt, und es kam erneut zur Verzögerungen.
Dennoch gibt es auch Grund zur Hoffnung. In die neue «Roadmap zur Bekämpfung der vernachlässigten Tropenkrankheiten» der WHO ist die Ausrottung der Lepra bis 2035 gezielt aufgenommen. Hierzu wird aber - neben vielen weiteren Maßnahmen - noch intensiv in die Forschung eines Impfstoffes und verbesserter Diagnostika investiert werden müssen.
