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Warum der Martinstag weiter Martinstag heißen sollte

Manche Einrichtungen nennen ihre Laterne-Umzüge inzwischen “Lichterfest” – und nicht mehr Martinstag. Trotz guter Absichten greift die Umbenennung zu kurz, kommentiert Timo Teggatz.

Mit ihrer Laterne sollten Kinder am "Martinstag" laufen
Mit ihrer Laterne sollten Kinder am "Martinstag" laufenImago / Snapshot

Heute ist es wieder so weit: Quer durch die Republik laufen Kinder mit ihren Laternen, hier ein Lächeln, dort ein Winken. Organisiert werden die Umzüge von Kitas, Vereinen oder Kirchengemeinden. Es ist St. Martinstag. Oder doch nicht? In den vergangenen Jahren haben manche Einrichtungen die Feier umbenannt, zum Beispiel in “Laternenfest” oder “Lichterfeier”. Der Ansatz dahinter mag ein hehrer sein, doch ganz zu Ende gedacht ist die Umbenennung nicht.

Martinstag: Kirchliches Fest mit vielen Werten

Als Grund für ein “Lichterfest” geben die Organisatoren meistens an, dass mit dem neuen Namen alle Kinder einbezogen werden, egal welchen religiösen Hintergrund sie haben. Das würde helfen, religiöse Differenzen zu überwinden. Dieses Argument ist von guten Absichten geprägt. Doch man sollte sich schon fragen, ob sich ein muslimisches oder nicht religiöses Kind wirklich ausgeschlossen fühlt, wenn es seine Laterne nicht zum “Lichterfest” trägt, sondern zum “Martinstag”. Umso wichtiger ist, dass etwa Kirchengemeinden zu einem lebendigen Martinsumzug einladen – gern auch ökumenisch.

Manchmal argumentieren die Organisatoren auch damit, dass das Fest säkularer gestaltet werden soll. Warum sollte man noch kirchliche Feste feiern, wenn ohnehin kaum noch jemand Kirchenmitglied ist? Das Argument zieht nun leider überhaupt nicht, dann müsste man sich ja auch irgendwann fragen, ob man noch Ostern und Weihnachten feiern sollte. Gerade weil die Welt immer säkularer wird, sollten wir kirchliche Feste und Feiertage hochhalten und deren Werte betonen.

Unser Autor Timo Teggatz
Unser Autor Timo TeggatzStudioline

Und an Werten hat der Martinstag einiges zu bieten. Der Tag erinnert an den im November 397 gestorbenen Bischof Martin von Tours, der Kranke geheilt haben soll und als Wohltäter gilt. Als junger Soldat teilte er seinen Mantel mit einem frierenden Bettler und wurde später Bischof. Die Geschichte des heiligen Martin steht also nicht nur für christliche Werte, sondern auch für menschliche. Sie ist sinnbildlich für Solidarität und ein soziales Miteinander. Und das sind Werte, die alle Kinder nach einem “Martinstag” mit auf ihren Lebensweg nehmen sollten – egal aus welcher Religion sie stammen.