Warnungen vor Rückschritt im Kampf gegen Aids

In den 1980er-Jahren galt eine HIV-Infektion als todbringend, inzwischen ist sie beherrschbar. Aber in vielen Ländern fehlt Geld für Aufklärung und Therapie. Akute Kürzungen bedrohen nun Hunderttausende.

Vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember warnen internationale und deutsche Organisationen vor weltweiten Rückschritten beim Kampf gegen die Immunschwächekrankheit. Aktuelle Kürzungen gefährdeten alles bisher Erreichte, erklärte die Deutsche Aidshilfe in Berlin. Es schwinde das Bewusstsein, dass Therapie und Prävention unverzichtbar seien und Solidarität der Schlüssel für eine Welt ohne Aids sei. Die UN-Einrichtungen UNAIDS und Unicef sowie die SOS-Kinderdörfer verwiesen besonders auf die Folgen für Kinder.

Schon wenn die bestehenden Programme wie bisher weiterliefen, würden sich bis 2040 weltweit 1,9 Millionen Kinder mit dem HI-Virus infizieren und 990.000 an Folgen der Erkrankung sterben, teilten Unicef und UNAIDS auf Grundlage einer Modellrechnung mit. Bei einer Reduktion der Maßnahmen um die Hälfte wäre mit zusätzlichen 1,1 Millionen Ansteckungen und 820.000 weiteren Todesfällen zu rechnen.

Weltweite Solidarität, wissenschaftlicher Fortschritt und verlässliche Finanzierung hätten über die vergangenen drei Jahrzehnte Millionen Menschenleben gerettet, erklärte Unicef. Aber der Fortschritt bleibe fragil. Mittelkürzungen in diesem Jahr hätten für Einbrüche bei der Prävention, Therapie und Fürsorge für Kinder, Schwangere und stillende Mütter gesorgt.

SOS-Kinderdörfer warnte vor einer "Finanzierungskrise von historischem Ausmaß". Dank antiretroviraler Therapien sei HIV in Ländern mit stabilen Gesundheitssystemen wie Deutschland aus dem Bewusstsein gerückt. In ärmeren Ländern etwa auf dem afrikanischen Kontinent bestünden aber weiter gravierende Präventionslücken. Man müsse "jetzt im internationalen Verbund die Weiterfinanzierung von HIV-Programmen sicherstellen", erklärte SOS-Kinderdörfer in München.

Die Deutsche Aidshilfe verlangte von Deutschland einen Beitrag entsprechend seiner Wirtschaftskraft zum Kampf gegen das Virus. "Wir haben die Wahl: Die Rückkehr von Aids oder das Ende von Aids", sagte Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung PKV verwies auf Angaben des Robert-Koch-Instituts, nach denen die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen sei. Bundesweit lebten 97.700 Menschen mit dem Virus, darunter schätzungsweise 8.200, die nichts von ihrer Infektion wüssten.

"Diese Zahlen machen deutlich: Aufklärung und Prävention sind nach wie vor unerlässlich, da AIDS zwar behandelbar, aber noch immer nicht heilbar ist", sagte der PKV-Vorsitzende Thomas Brahm in Berlin.

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