Die Nutzungsdaten sind schlecht. Dennoch hält Bundesgesundheitsministerin Warken die elektronische Patientenakte für eine beginnende Erfolgsgeschichte.
Ein Jahr nach dem Start der elektronischen Patientenakte für alle gesetzlich Versicherten sieht Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) das Projekt auf einem guten Weg. "Mittlerweile ist die elektronische Patientenakte Teil des Alltags unseres Gesundheitssystems. Leistungserbringer, medizinisches Personal sowie Patientinnen und Patienten profitieren von mehr Transparenz und der besseren Verfügbarkeit von medizinisch relevanten Informationen", sagte Warken der "Rheinischen Post" (Donnerstag).
"Unerwünschte Wechselwirkungen von Arzneimitteln und Mehrfachuntersuchungen können vermieden werden", so die Ministerin. Jetzt gehe es um die konsequente Weiterentwicklung: "Die elektronische Patientenakte soll für alle noch nutzerfreundlicher, sicherer und alltagstauglicher werden", kündigte Warken an. "Im Mittelpunkt stehen dabei mehr relevante Daten, eine bessere Vernetzung und spürbare Entlastungen im Versorgungsalltag, zum Beispiel durch den elektronischen Medikationsplan und relevante Zusatzinformationen zur Arzneimitteltherapiesicherheit oder strukturierte Labordaten", so die Bundesgesundheitsministerin.
Am 15. Januar 2025 war die elektronische Patientenakte für gesetzlich Versicherte an den Start gegangen. Sie wurde automatisch für alle Versicherten angelegt, die zuvor nicht widersprochen hatten ("Opt-Out-Regelung"). Seit vergangenem Oktober gilt für Praxen und Kliniken eine Verpflichtung zur Befüllung der E-Akte mit relevanten Dokumenten. In der elektronischen Akte können die Versicherten etwa eigene Gesundheitsdaten einsehen, Dokumente hochladen oder die Zugriffsmöglichkeiten von Ärztinnen und Ärzten regeln.
Offizielle Nutzungszahlen gibt es derzeit nicht. Doch Recherchen des Redaktionsnetzwerks Deutschland zeigen, dass nur 3,6 Prozent der Versicherten ihre Patientenakte aktiv nutzen - nur ein Prozentpunkt mehr als im Juli 2025. Grund dafür ist offenbar auch der komplizierte technische Zugang. Rund 70 Millionen Versicherte besitzen eine digitale Patientenakte.