“Wahlkampf radikal”: Schau im Haus der Geschichte

Eine Ausstellung im Stuttgarter Haus der Geschichte beleuchtet Wahlkämpfe mit radikalen Parteien zwischen 1952 und 2001. Anhand von Plakaten, Zeitungen und Flugblättern werde in der Schau „Wahlkampf radikal“ gezeigt, wie extreme Parteien im Südwesten agierten, teilte das Haus der Geschichte am Freitag in Stuttgart mit. So habe die KPD zum Umsturz aufgerufen und die NPD die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg geleugnet. Die „Republikaner“ hätten rassistische Vorurteile verbreitet.

Kurator Sebastian Dörfler zeigte vor Journalisten anhand historischer Dokumente, dass radikale Parteien vor allem auf angstmachende Parolen gesetzt hätten. Auch andere Parteien hätten zwar Bedrohungsszenarien aufgebaut - etwa die Grünen zu den Themen Umwelt und Frieden -, doch hätten sie gleichzeitig positive Angebote angemacht. Auffällig sei auch, dass Links- wie Rechtsradikale bei Landtagswahlen ganz überwiegend mit bundespolitischen Themen geworben hätten. Beherrschende Themen der Rechtsextremen seien schon immer Innere Sicherheit, Staatsverschuldung und Asyl gewesen.

Erfolgreichste linksextreme Partei war nach der Gründung des Bundeslandes 1952 die KPD mit 4,4 Prozent, die damit aufgrund einer Sonderregelung in den Landtag einziehen konnte. Vier Jahre später reichten die erzielten Stimmen nicht mehr, im selben Jahr wurde die Partei verboten. Die Nachfolgepartei DKP kam im Südwesten über einen Stimmenanteil von 0,5 Prozent nie hinaus.

Bei den Rechtsextremen erreichte die NPD 1968 mit 9,8 Prozent das beste Ergebnis ihrer Parteiengeschichte. Die ebenfalls als extrem eingestuften „Republikaner“ sicherten sich 1992 (10,9 Prozent) und 1996 (9,1 Prozent) Landtagsmandate, konnten allerdings auf diesem Niveau ausschließlich in Baden-Württemberg Erfolge erzielen.

Die Schau illustriert zugleich, wie sich der Wahlkampf verändert hat. Gab es Mitte des 20. Jahrhunderts noch umfangreiche Zeitungen der Parteien, die in den Briefkästen der Wähler landeten, so stehen heute die Sozialen Medien im Fokus. Eine von Studenten entwickelte Social-Media-Installation zeigt auf drei Bildschirmen, wie Parteien aktuell auf Plattformen wie TikTok um Stimmen junger Menschen werben.

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich den Gegenstrategien der etablierten Politik und Gesellschaft. Laut Kurator Dörfler schwankten die Reaktionen: „Die etablierten Parteien hielten mal mit klarer Abgrenzung und Argumenten dagegen, mal übernahmen sie Themen der Extremisten.“

Die Schau mache gleichzeitig die Kontroverse um Parteienverbote deutlich. Das Bundesverfassungsgericht habe 2017 beim Urteil zum NPD-Verbot argumentiert, diese Partei sei zu unbedeutend und einflusslos, als dass sie verboten werden müsste. Historisch gelte dieses Argument allerdings auch für KPD und Sozialistische Reichspartei (SRP), die beide verboten wurden und sowohl ihre Mandate als auch ihr Parteivermögen verloren.

Die Schau ist vom 18. November bis zum 12. April zu sehen. (2917/14.11.2025)

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