Verschollener Kanal in Erfurt entdeckt

Bei Tiefbauarbeiten nach einem Straßeneinbruch ist in Erfurt ein bislang verborgener Abschnitt des historischen Hirschlache-Kanals freigelegt worden. Die Konstruktion stamme möglicherweise in Teilen aus dem Mittelalter, wenigstens aber aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit. Die Abdeckung des gut erhaltenen Bauwerks weise Merkmale auf, wie sie im 19. Jahrhundert als „Preußische Kappen“ üblich waren.

Ein Sprecher der Stadtverwaltung Erfurt sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), streng genommen sei der Kanal wiederentdeckt worden. Dass er existiert, sei bekannt gewesen. Das zeigten auch Betonrohre aus den 1970er Jahren, die damals in den Kanal gelegt wurden. Allerdings gehe Wissen mitunter auch in einer Stadtverwaltung verloren. Und so habe man zwar gewusst, dass der historische Kanal dort irgendwo verlaufe, ihn aber einige Meter weiter entfernt vermutet.

Die Straße über der Konstruktion ist laut des Stadtsprechers eingebrochen, weil der Kanal unter der Sandsteinabdeckung vor Jahrzehnten nicht verfüllt wurde. Derzeit liefen Untersuchungen zur Vermessung des aufgefundenen Teilstücks.

Die Hirschlache war über Jahrhunderte ein natürlicher, später kanalisierter Seitenarm der Gera. Ihr Wasser nutzten ab dem 14. Jahrhundert vor allem die Lohgerber im Bereich der nördlichen Innenstadt. Mit der Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert wurde der offene Kanal verrohrt und überbaut. Heute erinnern nur noch Straßennamen an den früheren Bach, der meist erst bei Bauarbeiten wieder sichtbar wird.

👋 Unser Social Media