In der Debatte um Social-Media-Einschränkungen für Jugendliche fordert der Paritätische Sozialverband in Niedersachsen, auch Jugendliche ernsthaft zu beteiligen. Gemeinsam mit dem Paritätischen Jugendwerk Niedersachsen beklagte der Verband am Freitag, die Diskussion werde bisher über die Köpfe junger Menschen hinweg geführt, anstatt mit ihnen.
Bei dem Parteitag der Christdemokraten in Stuttgart steht am Wochenende ein Antrag für eine Altersgrenze von 16 Jahren auf der Tagesordnung. Die SPD-Bundestagsfraktion plädiert für ein nach Altersgrenzen abgestuftes Modell, das ein vollständiges Verbot für Kinder unter 14 Jahren beinhaltet. Die Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, Kerstin Tack, betonte dagegen, ein pauschales Verbot greife zu kurz.
„Medienkompetenz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, keine Frage des Alters“, sagte Tack. Ein Verbot verschiebe die Verantwortung von Plattformbetreibern und Politik auf Jugendliche und ihre Familien. Da Plattformbetreiber aktuell offenbar nicht in der Lage seien, Algorithmen zu konzipieren, die junge Menschen schützten, setze der Paritätische auf aktive Jugendbeteiligung. Perspektiven junger Menschen fehlten in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen häufig - obwohl es unmittelbar um ihren Alltag gehe. Junge Menschen gingen vielfach reflektierter mit sozialen Medien um, als es die politische Diskussion vermuten lasse.
Neben einer Regulierung seien verbindliche und konsequent durchgesetzte Regeln für Plattformanbieter sowie Bildung und Unterstützung wichtig, so die Verbände. Vor dem Hintergrund zunehmender extremistischer Tendenzen und demokratiefeindlicher Entwicklungen sei die Einbeziehung junger Menschen in politische Prozesse notwendiger denn je.