Der Verband kinderreicher Familien in Deutschland kritisiert das Aus des geplanten Kinderstartgeldes durch die bayerische Staatsregierung scharf. „Eltern, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren selbst betreuen wollen, werden schlichtweg im Stich gelassen“, sagte der bayerische Landesverbandsvorsitzende Florian Brich. Es sei absolut unverständlich, dass die Staatsregierung die geplante einmalige Förderung junger Eltern von 3.000 Euro nicht einführe und stattdessen die Förderung ausschließlich auf die außerhäusliche frühkindliche Betreuung in Kitas konzentriere.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Dienstag überraschend das geplante Kinderstartgeld wenige Wochen vor dessen Inkrafttreten zum 1. Januar 2026 wieder kassiert. Die frei werdenden Mittel – bis 2030 seien dies drei Milliarden Euro – sollen in die Betriebskostenförderung der Kitas fließen. Die 3.000 Euro Kinderstartgeld sollten die Nachfolgeleistung für das Ende 2024 abgeschaffte Familiengeld sein, das es so nur in Bayern gab, und bei dem Eltern mindestens 6.000 Euro in den ersten beiden Lebensjahren eines Kindes erhalten haben.
Brich sagte, die bayerische Staatsregierung schränke damit die Entscheidungsfreiheit von Eltern, wie sie Betreuung und Erziehung ihrer Kinder gestalten wollen, weiter ein: „Der Leitspruch: ‘Familien sollen selbst entscheiden’ – der war einmal.“ Die Bundesvorsitzende des Verbands, Elisabeth Müller, sagte, die Verbandsmitglieder seien „traurig, dass ihre Arbeit und ihre Investition in die Bildung ihrer Familien keine Wertschätzung“ mehr erfahren. Die Entscheidung der Staatsregierung für die Umschichtung im Etat zugunsten alleine von Kitas sei „das falsche Signal“.
Die Grünen-Landtagsfraktion fordert unterdessen eine Übergangslösung für das kurzfristig gekippte Kinderstartgeld für Familien. Man fordere einen „Vertrauensschutz“ beim Kinderstartgeld. So sollen alle Familien mit geringem und mittlerem Einkommen die 3.000 Euro zum ersten Geburtstag ihres Kindes erhalten, wenn es vor dem 31. August 2026 geboren wird. Es soll dann allen Eltern gewährt werden, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen 100.000 Euro nicht übersteigt. Diese Grenze soll für Paare und Alleinerziehende gleichermaßen gelten, heißt es im Antrag.
Die SPD-Fraktion kritisierte im Landtag ebenfalls die Staatsregierung scharf. „So geht man nicht mit Familien um“, erläuterte die SPD-Abgeordnete Doris Rauscher. CSU und Freie Wähler seien „nicht auf Direktfahrt ins Familienland Bayern“, sondern „abrupt in einen haushaltspolitischen Verschiebebahnhof abgebogen“. Statt die Kita-Finanzierung aufzustocken, wie es nötig wäre, „werden die Löcher mit dem Geld der Eltern geflickt“, sagte Rauscher. Vor allem für wirtschaftlich schwächere Familien sei der Wegfall der 3.000 Euro ein echtes Problem. (3557/13.11.2025)