Mehrere Sozialverbände in Bayern haben die Kehrtwende der bayerischen Staatsregierung mit Blick auf die Leistungen an Familien begrüßt. Das Kabinett hatte am Dienstag den Doppelhaushalt für 2026/2027 beschlossen und bekannt gegeben, das Krippengeld und das bayerische Familiengeld einzustellen und das geplante Kinderstartgeld nicht einzuführen. Die frei werdenden Mittel sollen in die Betriebskostenförderung der Kitas gehen. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die Grünen-Landtagsfraktion kritisieren die Pläne jedoch als „Umverteilung“.
Die AWO-Landesvorsitzenden Stefan Wolfshörndl und Nicole Schley sagten laut Mitteilung, „diese Umverteilung ist ein Rückschritt“ für das Bemühen um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für viele Familien seien die bisher gezahlten Familienleistungen des Freistaats nötig gewesen, um über die Runden zu kommen. Dass die Regierung die Betriebskostenförderung der Kitas erhöhen wolle, sei „dringend nötig“, teilte die AWO weiter mit. Dass dafür allerdings Mittel aus den nun gestrichenen Familienleistungen genommen würden, sei „pures Umverteilen des Status Quo“.
Ähnlich sehen das auch SPD und Grüne. Der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib sieht die Zusatzgelder für die Kitas zwar positiv: „Das Ziel ist gut, der Weg dorthin aber sehr fragwürdig.“ Dass Eltern nun aber fest eingeplante Gelder fehlen würden, sorge für Verunsicherung und Probleme. Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze sagte, als Familie habe man es in „Söder-Bayern“ schwer. Zuerst brüste sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für geplante Direktzahlungen, aber wenn der „PR-Effekt so langsam verblasst“ sei, werde alles kurzerhand gestrichen.
Die nun gestrichenen Leistungen, die von Kritikern auch als „Herdprämien“ bezeichnet wurden, gab es nur in Bayern: Das Familiengeld, das bis Ende 2024 für das zweite und dritte Lebensjahr beantragt werden konnte, hat monatlich 250 Euro betragen, ab dem dritten Kind dann 300 Euro. Statt der mindestens 6.000 Euro, die Eltern vom Freistaat bekamen, sollte ab 1. Januar 2025 das 3.000 Euro umfassende Kinderstartgeld eingeführt werden – das ist nun aber vom Tisch. Das einkommensabhängige Krippengeld betrug bis zu 100 Euro pro Monat und wurde als Kita-Zuschuss gewährt.
Der Evangelische Kita-Verband begrüßte den Kurswechsel der Staatsregierung ausdrücklich, sagte dessen Vorständin Christine Münderlein. Sie sprach von einem „wichtigen Meilenstein“ für eine auskömmliche Finanzierung der Kitas. Ihr Vorstandskollege Dirk Rumpff sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Wir wissen, dass diese Ankündigungen bei Familien nicht nur positiv aufgenommen werden.“ Der Kita-Verband sei immer gegen die Einführung der direkten Sozialleistungen des Freistaats an Familien gewesen, „weil das Geld ins Betreuungssystem gehört“, sagte er.
Der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen sowie die Caritas in Bayern bewerteten die Kehrtwende ähnlich positiv. Der staatliche Anteil an den Betriebskosten der Kitas steige mit der beschlossenen Umwidmung der Mittel auf bis zu 80 Prozent. Der Paritätische Wohlfahrtsverband urteilte, die Staatsregierung habe mit diesem Beschluss „ein wichtiges Signal für die Familien“ gesetzt. Die Abschaffung der Direktzahlungen und die damit verbundene Stärkung der Betreuungsstrukturen ermögliche den Kita-Trägern „ihre pädagogische Arbeit zu sichern“, teilte der Verband mit.
Ministerpräsident Söder hatte am Dienstag zur Umwidmung der Mittel gesagt: „Alles Geld fließt dann in das System, für Kitas, in die Betriebskosten. Das werden dann in der Gesamtsumme bis 2030 drei Milliarden Euro sein, die dann in den Bereich der Kitas gesteckt werden können.“ CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek bezeichnete die Entscheidung als „mutigen, aber richtigen Schritt“. Er bedeute Sicherheit für Familien, Träger und Kommunen. Bayern bleibe damit Familienland, weil man mit Augenmaß investiere, Prioritäten setze und nachhaltige Politik mache. (3525/11.11.2025)