Wegen des aggressiven Vorgehens der Einwanderungsbehörde ICE sind in Minneapolis im Mittleren Westen der USA die Zahlen der Gottesdienstbesucher in manchen Gemeinden zurückgegangen. Manche Menschen hätten Angst, ihre Wohnungen zu verlassen, sagte die für die Region zuständige Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA), Jen Nagel, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zugleich erlebten Menschen eine „sehr authentische“ Kirche, die ihren Kernanliegen nachkomme: Seelsorge leisten, Hungrigen zu essen geben und Gefangene besuchen.
In Minnesota haben zahlreiche Stadtbewohner gegen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE demonstriert. In Minneapolis sorgten im Januar tödliche Schüsse von Bundesbeamten im Zusammenhang verschärfter ICE‑Operationen für Empörung: Die US‑Bürger Renée Good und Alex Pretti wurden dabei getötet. Nagel sprach von einer „unglaublich intensiven Zeit“, in der die Kirche „in viele Richtungen“ gezogen worden sei. Gemeindemitglieder leisteten Lebensmittelhilfe und besuchten Mitglieder, die sich aus Angst vor ICE in ihren Häusern versteckten.
ICE verweigert Geistlichen den Zugang zum Whipple Building
Die von Bischöfin Nagel geleitete ELCA‑Synode der Region Minneapolis hat die Einwanderungsbehörde ICE verklagt. In der Klage heißt es, dass ICE Geistlichen den Zugang zum sogenannten Whipple Building verwehre - jenem Gebäude, in das in Minneapolis festgenommene Personen gebracht werden. Damit werde das in der Verfassung garantierte Recht auf freie Religionsausübung verletzt. Der Klage haben sich die Minnesota Conference der United Church of Christ sowie ein Jesuitenpater angeschlossen.
Die Klage beschreibt einen Vorfall am 18. Februar, bei dem Nagel bei einem versuchten pastoralen Besuch angeblich aus Sicherheitsgründen von dem Bundesgebäude abgewiesen worden sei. Auch Pastorin Susie Hayward von der Creekside United Church of Christ in Minneapolis, einer Gemeinde der Vereinigten Kirche Christi, sei abgewiesen worden. Das Whipple-Gebäude sei für die Festgenommenen ein Ort des „tiefen Traumas“, sagte Hayward dem epd. Es gebe Berichte über Überfüllung, Inhaftierte hätten Schwierigkeiten, Angehörige zu erreichen.
Festnahme Tausender wegen Verdachts auf illegalen Aufenthalt
Bei einer „Metro Surge“ genannte Kampagne in dem 430.000 Einwohner zählenden Minneapolis hat ICE seit Dezember vergangenen Jahres mehr als 3.000 Beamte eingesetzt. Tausende Menschen wurden wegen Verdachts auf illegalen Aufenthalt festgenommen. Mitte Februar hat ICE einen teilweisen Abzug der Beamten bekannt gegeben.
Mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern ist die ELCA eine der größten protestantischen Kirchen in den USA. Das Whipple-Gebäude ist nach Henry Whipple benannt, dem ersten Bischof der Episkopalkirche in Minnesota, der sich im 19. Jahrhundert stark für soziale Belange eingesetzt hat.
