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Unicef: Viele Kinder in Deutschland ohne regelmäßige warme Mahlzeit

Armut trifft immer mehr Kinder. In Deutschland können über eine Million nicht alle Grundbedürfnisse decken. Das Kinderhilfswerk Unicef sieht darin eine Gefahr für die Zukunft des Landes.

Viele Kinder in Deutschland können sich laut einem Bericht des Kinderhilfswerks Unicef nicht regelmäßig eine vollwertige warme Mahlzeit leisten. Viele hätten auch kein zweites Paar Schuhe, nicht genügend Platz für Hausaufgaben oder nähmen kaum an Freizeitaktivitäten Gleichaltriger teil, heißt es in dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Report “Eine Perspektive für jedes Kind”.

Demnach fehlen insgesamt mehr als einer Million Kinder – rund neun Prozent – die Voraussetzungen, alle Grundbedürfnisse zu decken. Damit, so Unicef weiter, hätten sie auch schlechte Karten, am gesellschaftlichen Leben ausreichend teilzunehmen und später beruflich erfolgreich zu sein.

Für den Bericht haben Wissenschaftler des Deutschen Jugendinstituts unter anderem mehrere amtliche Statistiken und repräsentative Umfragen ausgewertet. Insgesamt lebten 2023 in Deutschland etwa 14 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Die schlechten Voraussetzungen wirken sich laut dem Bericht schon jetzt auf die Entwicklung der Kinder aus: Zum Beispiele könne jedes Vierte nicht gut lesen; 2018 war es nur jedes Fünfte. Mehr als 40 Prozent täten sich zudem schwer mit Computern und anderen digitalen Geräten und Anwendungen. Viele könnten auch nicht gezielt nach Informationen suchen oder prüfen, ob etwas richtig ist.

Unicef berichtet außerdem von einer starken Zunahme körperlicher und seelischer Beschwerden. Darüber klagten mittlerweile 40 Prozent der Jugendlichen.

Laut dem Bericht steht Deutschland im internationalen Vergleich relativ schlecht da. In Slowenien etwa gebe es weniger Kinder, bei denen grundlegende Bedürfnisse aus finanziellen Gründen nicht gestillt würden; ebenso in Portugal, Finnland und Norwegen. “Es bewegt sich zu wenig für Kinder”, kritisierte der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Georg Waldersee. Wer aber zu wenig für Kinder tue, gefährde Deutschlands Zukunft. Diese Kinder würden später als Fachkräfte und selbstbewusste Bürger des Landes fehlen.

Den Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland gibt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen seit 2006 heraus.