Mehr als einer Million Kindern in Deutschland fehlen wichtige Voraussetzungen für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und späteren Erfolg im Beruf. Nach wie vor entscheide die familiäre Situation sehr stark über die Möglichkeiten der Kinder, heißt es in dem am Mittwoch von Unicef in Köln veröffentlichten Bericht zur Lage der Kinder 2025 in Deutschland. Zu den wesentlichen Voraussetzungen zählt etwa ein Platz, um Hausaufgaben zu machen sowie Geld, um sich vollwertige Mahlzeiten, eine einwöchige Urlaubsreise oder eine beheizte Wohnung leisten zu können. Das sei für rund 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche (neun Prozent) nicht gegeben.
„In Deutschland bewegt sich zu wenig für Kinder“, sagte Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von Unicef Deutschland. Er forderte die Bundesregierung auf, deutlich mehr zu tun. „Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Deutschlands Zukunft sichern will, muss jetzt gezielt in Kinder investieren.“ Dabei müsse der Fokus vor allem auf denen liegen, die von Armut, Ausgrenzung oder fehlenden Chancen betroffen sind.
Bei der Bekämpfung von Kinderarmut stagniert die Entwicklung in Deutschland laut Bericht seit Jahren. 1,9 Millionen Kinder lebten vom Bürgergeld ihrer Familie. Hinzu kämen Kinder, die mit Asylbewerberleistungen auskommen müssten. 44 Prozent der armutsgefährdeten Kinder lebten in überbelegten Wohnungen. Mindestens 130.000 Kinder seien wohnungslos und in kommunalen Unterkünften untergebracht.
Zwar habe Deutschland vergleichsweise hohe materielle Ressourcen und weitgehend gut ausgebaute institutionelle Strukturen, heißt es in dem Bericht. Doch bislang gelinge es nicht, diese so zu verteilen, dass alle Kinder und Jugendlichen faire Chancen bekommen. Für ein gutes Aufwachsen aller Kinder sei ein „grundlegender Paradigmenwechsel“ nötig. „Es reicht nicht aus, an die Eigenverantwortung von Familien zu appellieren, wenn gesellschaftliche Rahmenbedingungen faire Chancen nicht zulassen“, mahnte Unicef.
Der Bericht wurde vom Deutschen Jugendinstitut erstellt.