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UN-Palästinenser-Hilfswerk: “Sechs Wochen Hölle für Gaza”

Die Lage im Süden des Gazastreifens, in dem weite Teile der Bevölkerung Zuflucht gesucht haben, hat sich nach UN-Angaben weiter verschärft. Nachdem allen Abwasserpumpen der Treibstoff ausgegangen sei, fließe das Abwasser in den Straßen von Rafah, sagte Thomas White, Gaza-Direktor des UN-Flüchtlingshilfswerks für die Palästinenser (UNRWA) am Donnerstagnachmittag auf der Plattform X. In den drei südlichen Gouvernements von Gaza seien inzwischen zudem 76 Wasserbrunnen und zwei Haupttrinkwasserwerke stillgelegt worden.

Unbestätigten Berichten zufolge sind auch die Kommunikationsnetze im Gazastreifen aufgrund fehlenden Treibstoffes zusammengebrochen.

Man werde nicht länger in der Lage sein, die Hilfsleistungen an die Palästinenser ohne Treibstoff weiterzuführen, sagte UNRWA-Generalsekretär, Philippe Lazzarini. Er habe das Gefühl, dass es “einen vorsätzlichen Versuch gibt, unsere Operationen zu strangulieren und zu lähmen”, sagte er am Donnerstag vor Medien. Erneut betonte er, es gebe keinen sicheren Ort im Gazastreifen. “Es sind fast sechs Wochen der Hölle gewesen für die Menschen in Gaza, sechs Wochen zu viel” für die Palästinenser, für die israelischen Geiseln und ihre Familien sowie für die gesamte Region, sagte er bei einer Pressekonferenz. In dieser Zeit sei das humanitäre Völkerrecht vollkommen missachtet worden.

In den letzten Wochen sei man Zeuge “der größten Vertreibung der Palästinenser seit 1948” geworden. Anders als in anderen Konflikten seien die Menschen von Gaza ohne Ausweg in einer 365 Quadratkilometer großen Enklave gefangen, die durch die Kampfhandlungen “auf die Hälfte zusammengeschrumpft” sei.

Das Hilfswerk beklagt nach aktuellen Zahlen 103 getötete Mitarbeiter. Es sei jedoch zu befürchten, dass weitere unter den Trümmern zerstörter Gebäude lägen. Es ist die höchste Zahl getöteter UN-Mitarbeiter in einem Konflikt.