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Ukrainischer Religionsrat pocht auf Bekämpfung der Korruption

Seit Tagen erschüttert ein gewaltiger Korruptionsskandal die Ukraine. Nun melden sich die Religionsgemeinschaften des Landes zu Wort – und rufen die Staatsführung zum Handeln auf.

Die ukrainischen Glaubensgemeinschaften verurteilen den aktuellen Korruptionsskandal rund um einen staatlichen Energiekonzern. Der Gesamtukrainische Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften forderte in einer Erklärung eine gerechte Bestrafung der Schuldigen ohne Rücksicht auf Amtsstellung und Beziehungen. Nur eine entschlossene Reaktion von Behörden und Gesellschaft könne das Vertrauen wiederherstellen und zeigen, dass der Staat “destruktiven Herausforderungen” widerstehe. Dem Rat gehören die Spitzen der 16 wichtigsten Religionsgemeinschaften der Ukraine an – christliche, jüdische und muslimische.

Korruption in den höchsten Machtkreisen und in Bereichen, die die Verteidigung des Staates sicherstellen sollten, sei immer besonders gefährlich – angesichts des Kriegs aber umso mehr, so das Gremium. “Solche Handlungen kommen dem Aggressor zugute, da sie die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine untergraben und zu Demoralisierung führen.”

Der Skandal dreht sich um eine mutmaßliche Bereicherung um rund 100 Millionen US-Dollar, die für den Schutz von Energieanlagen bestimmt gewesen sein sollen. Russland greift in der Ukraine gezielt unter anderem Umspannwerke mit Raketen und Drohnen an, um die Stromversorgung auszuschalten. Zwei ukrainische Minister mussten in der Affäre bereits zurücktreten. Außerdem hat Präsident Wolodymyr Selenskyj gegen seinen langjährigen Geschäftspartner und Vertrauten Timur Minditsch sowie einen weiteren Verdächtigen Sanktionen verhängt. Beide Beschuldigte haben sich ins Ausland abgesetzt.

Der Fall löst laut den Religionsvertretern “starke emotionale Reaktionen und Empörung” aus. Der Rat der Glaubensgemeinschaften appellierte an alle Bürgerinnen und Bürger, nicht zuzulassen, “dass Korruption uns spaltet oder von unserem Hauptziel ablenkt: der Erhaltung unseres Staates, seiner Unabhängigkeit und dem Sieg über den Feind”. Einigkeit und gegenseitige Unterstützung würden die Ukraine retten. Jede Person müsse bereit sein, der Wahrheit zu dienen, indem sie ihre spirituelle Anstrengungen fortsetze, sowohl dem äußeren Angreifer als auch der inneren Korruption zu widerstehen, so der Appell.

Kiews griechisch-katholischer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk äußerte sich in seiner wöchentlichen Videobotschaft am Sonntagabend ähnlich. Er wertete das aktuelle Vorgehen der staatlichen Organe gegen Korruption positiv. Die Arbeit der zuständigen Stellen sei “ermutigend”, sagte Schewtschuk.