TV-Tipp: Serie “Himmel, Herrgott, Sakrament” zeigt nahbare Kirche

Die Serie um einen unkonventionellen bayerischen Pfarrer bescherte dem BR-Fernsehen Top-Einschaltquoten. Im Frühjahr soll die zweite Staffel zu sehen sein – mit dem Segen der katholischen Kirche.
TV-Tipp: Serie “Himmel, Herrgott, Sakrament” zeigt nahbare Kirche
Der Cast der 2. Staffel der Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament"
BR-Bild

 

Ob als Kommissar Dennis Eden im Münchner "Polizeiruf 110" oder als Metzger Simmerl in den kultigen Eberhofer-Krimis - der Schauspieler Stephan Zinner ist gut im Geschäft. Doch wenn der 51-Jährige mit seinem Kabarett-Programm über die Dörfer zieht, wird er zu seiner Überraschung meist auf seine Rolle als katholischer Pfarrer Hans Reiser in der TV-Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament" angesprochen. Interessanterweise komme das Format bei vielen jungen Leuten sehr gut an, erzählt Zinner der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Jüngst habe er mit einem begeisterten "Feuerwehrler" darüber geratscht.

Fans der Reihe, deren Titel auf dem gleichnamigen Buch des Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler beruht, dürfen sich freuen. Im Frühjahr - der genaue Termin steht noch nicht fest - ist es endlich soweit. Dann wird das BR-Fernsehen die zweite Staffel zeigen. Regisseur Franz Xaver Bogner hat sechs neue, jeweils 45-minütige Folgen mit den schon bewährten Darstellern wie eben Zinner als Pfarrer, Erwin Steinhauer als Kardinal und Anne Schäfer als alleinerziehender Mutter Lisa Kirchberger, die mit dem Priester eine romantische Liaison pflegt, gedreht. Die Bücher dafür schrieb er selbst, nur für eines zeichnet Carolina Zimmermann verantwortlich.

Lisa (Anne Schäfer) und Hans Reiser (Stephan Zinner)

Um was es genau gehen wird, weiß selbst Schießler noch nicht. Denn sein Werk dient mittlerweile nur mehr als Inspiration und nicht als Grundlage für die Verfilmung seiner eigenen Erlebnisse. Er habe Bogner völlige Freiheit gelassen, betont der Geistliche. Dieser habe sich nur beizeiten bei ihm gemeldet und gefragt: "Könntest Du Dir vorstellen, dass dies in Deinem Leben wäre?"

Cameo-Auftritt von Pfarrer Schießler

Selbstverständlich hat Schießler erneut einen Cameo-Auftritt bekommen. Als "Chef vom Nordfriedhof" verfolgt er eine sehr exotische Beerdigung von Bewohnern des afrikanischen Kontinents, verrät er vorab. Dabei ziehen die Leute tanzend hinter einem Sarg her, der die Form einer Flasche hat. Diese Fröhlichkeit gefällt dem Seelsorger: "So gehört sich das eigentlich. Schließlich ist doch der Tod das Tor zum Leben."

Doch da komme eine typisch grantige Fromme auf ihn zu und meine, dass er als Verantwortlicher dieses Treiben doch nicht zulassen könne, führt der Pfarrer aus. Laut Drehbuch habe er als Antwort einen Satz zu sagen, der ihm wirklich gefalle: "Wissen Sie, wenn sie mal unten liegen, sind sie alle gleich - ob schwarz oder weiß." Der Friedhof-Chef sagt's und schließt sich tanzend dem Trauerzug an. Die Leute suchten eine Form von Kirche und Glaube, die nicht eingrenze, sondern sich weiterentwickle, betont der immer wieder selbst für Überraschungen gute Schießler. Bei Vorschlägen nicht immer nur "Nein" sagen oder "Das geht nicht" - sowas will er einfach nicht mehr hören.

Lisa (Anne Schäfer, hinten), Michael Reiser (Sigi Zimmerschied, vorne links)), Agnesa Owiecka (Viorica Prepelita (vorne Mitte)) und Hans Reiser (Stephan Zinner, rechts)

Für Bogner ist die hohe Einschaltquote der ersten Staffel der Beweis dafür, dass es nach wie vor viele "Taufscheinkatholiken" gibt, die mit ihrem Glauben noch lange nicht fertig sind. "Da ist die Erziehung, die Zeit, die man in der Schule damit verbracht hat. Das sind die grundsätzlichen Gesetze des Miteinanders, die dann abgerufen werden, speziell auch in Krisenzeiten." Ein Lob hat er auch fürs Münchner Ordinariat, von dem kaum Kritik an den Büchern gekommen sei. So durfte er abermals in den Kirchen Sankt Margaret und Korbinian in der bayerischen Landeshauptstadt drehen: "Wir konnten uns frei bewegen. Das fordert Respekt."

Positive Werbung für die Kirche

Ob er für die positive Imagewerbung von der Kirche vielleicht irgendwann eine Auszeichnung bekomme? "Aber welche?", fragt der renommierte Regisseur zurück und erinnert, dass die Polizei für TV-Kommissare den Titel "Ehrenkommissar" vergebe. Von einem "Ehrenkardinal" sei ihm nichts bekannt, meint er schmunzelnd.

Hans Reiser (Stephan Zinner) macht sich Sorgen.

Zinner jedenfalls muss als unkonventioneller Priester wieder einige berufliche und private Herausforderungen in der neuen Staffel bewältigen. Das Segnen und Anziehen des Messgewands und das Bewegen darin hat er inzwischen perfekt drauf. "Da hat der Rainer (gemeint ist Schießler, Anm. der Autorin) schon geholfen", fügt er hinzu: "Ich verstehe es ja auch, wenn Du auf das schaust, was Du tagtäglich machst."

Als TV-Pfarrer sammelte der Schauspieler auf diese Weise seine ganz besonderen Erfahrungen. Diese könnten ihm am 4. März bei seiner Premiere als Fastenprediger beim Starkbieranstich am Nockherberg möglicherweise zugutekommen. "G'schadt hat's nicht", gibt er selber zu, was auf Bairisch soviel bedeutet, dass es nicht geschadet haben mag, ja eher von Nutzen gewesen sein dürfte. Denn er überlege durchaus, wie er seine Botschaft an die Politprominenz in der von ihm geschriebenen Predigt eindrücklich rüberbringen könne.

 

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