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Tutzinger Marie-Luise-Kaschnitz-Preis für Katerina Poladjan

Eine an der Filmkunst geschulte Ästhetik des Schnitts, eine Erzählungsweise der extremen Verknappung – solche Techniken bescheinigen Fachleute der Autorin Katerina Poladjan. Dafür wird sie nun ausgezeichnet.

Die Autorin Katerina Poladjan erhält den mit 5.000 Euro dotierten Marie-Luise-Kaschnitz-Preis 2026 der Evangelischen Akademie Tutzing am Starnberger See in Oberbayern. Damit würden literarische Fähigkeiten Poladjans wie eine raffinierte Erzählweise und eine in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur einzigartige Bildsprache gewürdigt, teilte die Akademie am Dienstag mit.

Poladjan wurde 1971 in Moskau geboren, wuchs in Rom und Wien auf und lebt in Berlin, wie es hieß. Sie schreibe Romane, Theatertexte und Essays und sei dafür vielfach ausgezeichnet worden. 2025 habe sie etwa den “Großen Preis des Deutschen Literaturfonds” bekommen. Zuletzt sei ihr Roman “Goldstrand” erschienen.

“Künstlerische Wahrheit ist Treue zu sich selbst und zu seiner Zeit” – dieses Diktum der Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) sei treffend für das bisherige Gesamtwerk von Katerina Poladjan, so die Jury. Und weiter: “Ihr 2025 erschienener Roman ‘Goldstrand’ nimmt Bezug auf einen ehemaligen Sehnsuchtsort am Schwarzen Meer, überzeugt mit einer raffinierten Erzählweise und einer in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur einzigartigen Bildsprache.”

Mit einer an der Filmkunst geschulten Ästhetik des Schnitts und einer Erzählungsweise der extremen Verknappung entwerfe Poladjan, auch aus dem eigenen Lebenserfahrungsschatz heraus, ein breitgefächertes, europaoffenes Handlungsgeflecht voller Verluste und Aufbrüche in eine Gegenwart, in der Hoffnung und Utopie noch das Sagen hätten, lobten die Fachleute.

Zur Jury des Marie-Luise-Kaschnitz-Preises gehören die Verlegerin und Leiterin des Literaturhauses München Tanja Graf, der Schriftsteller und Literaturkritiker Hajo Steinert, der Literaturvermittler und Experte für deutschsprachige Literatur Thomas Geiger sowie die Schriftstellerin Iris Wolff, die 2022 den Kaschnitz-Preis gewann.

Die Evangelische Akademie Tutzing verleiht die Auszeichnung seit 1984. Bisherige Preisträger waren unter anderen Ilse Aichinger, Pascal Mercier, Sibylle Lewitscharoff, Mirko Bonné, Michael Köhlmeier, Angelika Klüssendorf, Lutz Seiler und Anja Kampmann. Der Preis wird im Rahmen einer Literaturtagung vom 29. bis 31. Mai in der Akademie verliehen.