Es ist eine Reise, die eigentlich noch auf dem Terminplan des verstorbenen Papstes Franziskus stand: Nun wird es die erste Auslandsreise, die Robert Francis Prevost als Papst Leo XIV. antreten wird. Vom 27. November bis zum 2. Dezember ist der gebürtige US-Amerikaner in der Türkei und im Libanon unterwegs. Damit stehen auch wichtige Themen auf der Agenda.
Rund ein halbes Jahr nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche am 8. Mai wird Papst Leo Italien erstmals verlassen. Die Plätze im Papstflieger für Journalisten waren so begehrt wie lange nicht mehr. Die letzte Auslandsreise eines Papstes führte Leos Vorgänger Franziskus vor gut einem Jahr nach Korsika. Es war bereits die 47. apostolische Auslandsreise des Argentiniers, der kurz darauf seinen 88. Geburtstag feierte.
Papst Leo wird in der Türkei an den Erinnerungsfeiern anlässlich des 1700. Jahrestages des Konzils von Nizäa teilnehmen. Die Versammlung, die auf das Jahr 325 datiert wird, gilt als erster inhaltlicher ökumenischer Austausch der frühen christlichen Kirche und damit als wegweisend für die Entwicklung des Christentums. In Nizäa, dem heutigen Iznik, wurde nicht nur das Osterdatum festgelegt. Auch die zentralen Elemente des gemeinsamen christlichen Glaubensbekenntnisses haben hier ihren Ursprung.
Dort will der Papst am 28. November an einem ökumenischen Gebetstreffen teilnehmen. Mit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. von Istanbul will er am Tag darauf eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen – ein Zeichen der Annäherung zwischen den katholischen und orthodoxen Kirchen. Am 29. November soll auch eine große Papstmesse in der Volkswagen Arena in Istanbul stattfinden.
Zudem will der Papst die weltbekannte Blaue Moschee in Istanbul und die syrisch-orthodoxe Kirche Mor Ephrem besuchen. Ein Besuch der ursprünglich frühchristlichen Kathedrale Hagia Sophia in Istanbul, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan 2020 zur Moschee umwidmen ließ, steht nicht auf dem Programm.
Hätte Papst Franziskus die Reise nach Nizäa antreten können, wäre es nach 2014 bereits sein zweiter Besuch in dem mehrheitlich islamischen Land gewesen. Das Programm ähnelte sehr dem nun anstehenden von Papst Leo. Auch in den Libanon wollte Franziskus reisen, wenn dort eine neue Regierung gebildet sei. Diese wurde Anfang Februar nach mehr als zwei Jahren Machtvakuum gefunden. Wenige Tage später kam Franziskus wegen einer Atemwegsinfektion ins Krankenhaus. Am 21. April starb er im Vatikan.
Papst Leo holt also auch hier nach, was sein Vorgänger nicht mehr geschafft hat. Auf dem Programm der Reise steht neben einem Treffen mit der neu gewählten Regierung unter anderem ein stilles Gebet im Hafen von Beirut, wo es 2020 infolge einer verheerenden Explosion rund 200 Tote und mehr als 6.000 Verletzte gab.
Vor allem in Anbetracht der Reise in den Libanon erhoffen sich viele Beobachter Worte des Papstes, die den noch immer ausstehenden Frieden in Nahost thematisieren. „Wir hoffen, dass er – in der Tradition seiner Vorgänger – Worte finden wird, die den Libanon wieder in den Blickpunkt der internationalen Bühne rücken und daran erinnern, dass nur der Frieden ein Weg ist, der den Menschen in seinem Wesen achtet“, sagte der Lateinische Vikar von Beirut, Cesar Essayan, dem Internetportal Vatikannews.
Auch im Hinblick auf die Kriege weltweit solle dieser Besuch ein „Zeichen und ein Aufruf zum Frieden“ sein, sagte er. Dass das Bemühen für den Frieden ein Kernelement des Pontifikats von Leo XIV. sein wird, interpretierten viele bereits in seinen ersten Worten, die er an die Welt richtete: „Frieden sei mit euch“, hatte er am 8. Mai von der Loggia des Petersdoms der jubelnden Menge zugerufen.
Ob der neue Papst auch so reisefreudig wird wie sein Vorgänger, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Eine der nächsten Reisen könnte ihn auf den amerikanischen Kontinent führen: In sein Geburtsland USA und nach Südamerika – Prevost lebte rund 20 Jahre in Peru, bevor er von Papst Franziskus nach Rom beordert wurde.
Und als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ende September in einer Privataudienz von Leo XIV. empfangen wurde, sprach auch er dem Pontifex die traditionelle Einladung nach Deutschland aus. Der letzte Papst, der die Bundesrepublik besuchte, war der deutsche Benedikt XVI.