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Trotz Mehreinnahmen: Kurhessische Kirche muss Ausgaben senken

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat ihre Kirchensteuereinnahmen im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr um rund 3,7 Prozent auf rund 212,5 Millionen Euro gesteigert. Damit beträgt das Plus rund 7,7 Millionen Euro, wie aus dem Finanzbericht von Vizepräsidentin Katharina Apel hervorgeht, den sie der kurhessischen Synode in Hofgeismar vorlegte.

Grund zur Freude gebe es allerdings nur bedingt, betonte Apel. Denn über das Kirchenlohnsteuer-Verrechnungsfahren, das sogenannte Clearing-Verfahren, habe die EKKW im Jahr 2022 rund 6,9 Millionen Euro mehr als geplant an andere Landeskirchen entrichten müssen.

In den ersten zehn Monaten des Jahres 2023 sind die Kirchensteuereinnahmen laut Apel zurückgegangen. Die Landeskirche verzeichne demnach ein Minus von 1,56 Prozent, das sind rund 2,6 Millionen Euro. Die Gesamteinnahmen lägen bis einschließlich Oktober bei rund 163,5 Millionen Euro. Für 2023 rechnet Apel jedoch mit einem Kirchensteueraufkommen auf dem Niveau von 2022.

Trotz stabiler Zahlen für die Jahre 2022 und 2023 machte Apel deutlich, dass die Landeskirche erhebliche Einsparungen vornehmen müsse. Der Mitgliederschwund und die damit verbundenen finanziellen Einbußen seien schneller vorangeschritten als bisher angenommen. Sie wiederholte ihre Einschätzung vom Frühjahr, dass in zehn Jahren nur noch die Hälfte der Mittel zur Verfügung stehen könnte. „Unter dem Strich“ werde in den nächsten fünf Jahren ein Defizit von rund 24 Millionen Euro entstehen, wenn nicht gegengesteuert werde.

Haushaltskonsolidierung sei eine Gemeinschaftsaufgabe, betonte die Vizepräsidentin und mahnte, die Ausgaben den Einnahmen anzupassen, um handlungs- und gestaltungsfähig zu bleiben. Das größte geschätzte Einsparpotenzial gibt es beim Pfarrpersonal. Auch die Diakonie Hessen könnte durch Kürzungen ihrer Zuschüsse von Einsparungen betroffen sein.

Für den Doppelhaushalt 2024/2025 rechnet Apel mit einem Defizit von insgesamt rund 6,6 Millionen Euro, für den Doppelhaushalt 2026/2027 mit einem Defizit von rund 18,2 Millionen Euro. Das Defizit im Doppelhaushalt 2024/2025 könne nur durch einen Rückgriff auf die Kirchensteuerschwankungsreserve ausgeglichen werden. Diese Mittel seien jedoch begrenzt und somit nicht dauerhaft geeignet, um Verluste auszugleichen.

Bis einschließlich Mittwoch, 29. November, tagen die Synodalen in der Evangelischen Tagungsstätte in Hofgeismar. Weitere Tagesordnungspunkte sind unter anderem die Finanzierung der Diakonie und die aktuellen Entwicklungen im Reformprozess der EKKW.