Im Ausland üblich, in Deutschland eher ungewöhnlich: Der Kölner Dom verlangt bald Eintritt. Allerdings nur von Touristinnen und Touristen.
Besucherinnen und Besucher des Kölner Doms müssen ab der zweiten Jahreshälfte ein Eintrittsgeld zahlen. Das gab Dompropst Guido Assmann am Donnerstag bekannt. Wer jedoch einen Gottesdienst besuchen will oder zum persönlichen Gebet in die Kathedrale kommt, soll dies auch weiterhin kostenfrei tun können.
Den Kölner Dom besuchen jährlich rund sechs Millionen Menschen aus der ganzen Welt. Damit ist er Deutschlands bekannteste Kirche. Die Kathedrale gibt seit 2019 jedoch immer wieder mehr Geld aus, als sie einnimmt, wie Domrendant Clemens van de Ven erklärte. Im Corona-Jahr 2020 zum Beispiel betrug das Defizit 2,2 Millionen Euro. Laut Dompropst Assmann seien damals zum Beispiel die Einnahmen für Turmbesteigungen und Domschatzkammer weggefallen. Auch habe es weniger Menschen gegeben, die im Dom eine Kerze anzündeten und dafür Geld gaben.
In den vergangenen Jahren glich der Dom die finanzielle Schieflage immer wieder durch Rücklagen aus. "Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo wir sehen, die Rücklagen sind in absehbarer Zeit aufgezehrt", sage van de Ven. Weitere Kostensteigerungen etwa für Löhne und aufgrund der Inflation seien absehbar. Die Zuwendungen blieben jedoch gleich.
Die Einnahmen stammen aus verschiedenen Quellen: Große Teile kommen vom Zentraldombauverein und vom Erzbistum Köln. Außerdem bezieht der Dom unter anderem Zuwendungen des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln sowie Eintrittsgelder für Turmbesteigung und Domschatzkammer sowie Einnahmen aus Kollekten und Opferstöcken.
"Wir müssen unsere eigene Einnahmenseite steigern", sagte Assmann. Daher werde die Abgabe für Touristinnen und Touristen eingeführt. Nun werde ein Konzept für die praktische Umsetzung entwickelt. Auch die Höhe der künftigen Gebühr stehe noch nicht fest.
In Deutschland sind die meisten Kirchen frei zugänglich. Eine Ausnahme bildet zum Beispiel der evangelische Berliner Dom. Allerdings kosten zum Beispiel Turmbesteigungen und Kirchenschatz-Ausstellungen auch hierzulande häufig Eintritt. Im Ausland sind Zugangsgelder für Kirchen üblicher. Die Sagrada Família in Barcelona etwa kostet 26 Euro.