Die Arbeitswelt setzt einer Umfrage zufolge viele Beschäftigte in Deutschland so unter Stress, dass sie weder abends, am Wochenende oder im Urlaub vom Job abschalten können. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch in Hamburg mit Bezug auf den TK-Stressreport mitteilte, kann ein Drittel (33 Prozent) der Beschäftigten abends und am Wochenende nicht von der Arbeit abschalten. Rund jeder vierte (24 Prozent) Beschäftigte schaffe es nicht einmal im Urlaub, richtig abzuschalten, hieß es. 42 Prozent fühlten sich durch den Job oft abgearbeitet und verbraucht.
Bei vielen Beschäftigten leide sogar das Sozialleben unter der Jobbelastung: 29 Prozent gaben demnach an, dass Familie und Freunde durch die beruflichen Verpflichtungen oft zu kurz kommen. Hauptursachen für Stress sind laut TK zu viel Arbeit (68 Prozent), Termindruck (61 Prozent), Unterbrechungen (58 Prozent), Informationsflut (50 Prozent) sowie regelmäßige Überstunden (49 Prozent).
Der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas sagte laut Mitteilung: „Im Allgemeinen ist die Arbeit für Menschen etwas Positives. Sie bietet Struktur im Alltag, fördert durch den Austausch die soziale Zugehörigkeit und stärkt das Selbstwertgefühl. Wenn jedoch selbst Wochenenden oder Urlaube nicht ausreichen, um neue Energie zu schöpfen, ist das ein Warnsignal.“ Dauerhafte Erschöpfung könne zu Burn-Out und anderen psychischen Erkrankungen führen und damit zu langfristigen Fehlzeiten.
Die aktuelle Debatte um die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung setze den falschen Schwerpunkt und lenke vom eigentlichen Problem ab, sagte TK-Chef Baas. „Kurzzeiterkrankungen wie zum Beispiel Erkältungen oder Magendarm-Infektionen, die mit einer telefonischen Krankschreibung festgestellt werden können, machen im Vergleich zu Langzeiterkrankungen einen wesentlich geringeren Anteil an den Gesamtfehltagen aus.“
Wichtig seien nachhaltig gesundheitsförderliche Strukturen in den Betrieben. „Dazu gehört auch eine positive und wertschätzende Unternehmenskultur, in der die Mitarbeitenden und ihre Leistung von den Führungskräften wahrgenommen werden“, sagte Baas. Aber auch flexible Arbeitszeitmodelle könnten helfen, Familie und Beruf zu vereinbaren.
Für den TK-Stressreport wurden vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der TK im Mai 2025 bevölkerungsrepräsentativ 1.407 volljährige Menschen bundesweit telefonisch befragt, davon 753 in Voll- oder Teilzeit Beschäftigte. Nach 2013, 2016 und 2021 ist das der vierte Report der TK zum Thema Stress.