Vogelzwitschern, blumige Düfte, zahllose Schattierungen von Grün - ein Besuch im Wald ist ein Fest für die Sinne. Aus psychologischer Sicht gibt es einige Möglichkeiten, um vom Waldspaziergang noch mehr zu profitieren.
Der Wald ist für viele Menschen ein Kraftort und Rückzugsort. Für die Berliner Psychologin Susann Schumacher hilft er auch, Selbstfindungsprozesse anzustoßen. In ihrem Buch "Die Psychologie des Waldes" gibt sie Tipps für eine Auszeit im Wald.
- : Neben festem Schuhwerk und wetterfester Kleidung können ein Notizheft, eine Unterlage zum Sitzen und ein Handy im Flugmodus für Fotos oder Musik nützlich sein - und ausreichend Zeit.
- : Sich breit und stabil hinstellen, die Augen schließen und sich vorstellen, dass die eigenen Wurzeln tief in den Boden reichen. Beim bewussten Atmen hilft die Vorstellung, dass der Atem bis in die Wurzelspitzen reicht und beim Ausatmen alles Störende gehen darf. Erst, wenn sich ein Gefühl guter Erdung einstellt, die Augen wieder öffnen und nachspüren, wie sich der Wald nun anfühlt. - Diese Übung hilft auch im Alltag in stressigen Phasen.
- : Statt auf dem vorgegebenen Weg zu bleiben, mal abseits ausgetretener Pfade durch den Wald gehen und der eigenen Aufmerksamkeit folgen (dabei natürlich auf Wildtiere und Schutzgebiete achten). Aus Naturgegenständen wie Stöcken, Blättern und Zapfen etwas Kreatives basteln, ohne gleich Sinn und Ergebnis zu erwarten.
- : In Ruhe ein einzelnes Blatt betrachten, dann das Blätterdach eines Baumes mit all seinen verschiedenen Grüntönen und Formen. Ohne den Kopf zu bewegen, die Ränder des Sichtfeldes wahrnehmen. Dann den Blick auf den Boden richten, gerne im Sitzen. Sind kleine Tiere zu sehen? Welche Formen, Farben und Strukturen gibt es da? Was nehme ich nach dem Aufstehen wahr, was springt ins Auge? Wie verändern sich der Raum und die eigene Körperwahrnehmung, wenn ich mich langsam umdrehe und in die Baumkronen blicke?
- : Neben dem bewussten Sehen hilft es auch, die anderen Sinne - Riechen, Tasten, Hören - im Wald bewusst einzusetzen. "Die Sinne sind der Schlüssel zum Wald", sagt Schumacher. Durch sie entstehe eine Verbindung zur Mitwelt.
- : Im Alltag gehen wir oft achtlos des Weges. Stattdessen bewusst das Augenmerk auf das Schöne lenken, das man unterwegs sieht. "Wir können den Sinn für das Schöne in unser Leben einladen und davon profitieren", ist Schumacher überzeugt. Auch das Gefühl der Verbundenheit mit der Um- und Mitwelt werde so gestärkt.
- : Für die einen ist es eine Quelle oder Lichtung, für andere ein Wasserfall, ein See oder besonderes alter Baum, den sie immer wieder aufsuchen und dort meditieren. Solche Orte bringen im Menschen etwas zum Schwingen und können ein Auslöser sein für Erinnerungen, Gefühle und innere Bilder. Dadurch können Erkenntnisse, Ideen oder mögliche Lösungen für Schwierigkeiten angestoßen werden.