Thüringens Schülerinnen und Schüler sollen sich während des regulären Unterrichts künftig mit den im Grundgesetz verankerten Werten und demokratischen Prinzipien befassen. An zunächst 22 Schulen sei nach den Halbjahreszeugnissen das Pilotprojekt zur Einführung einer „Verfassungsviertelstunde“ in den achten und neunten Klassen geplant, sagte Bildungsminister Christian Tischner (CDU) am Mittwoch in Erfurt. Die Initiative sei ein Beitrag, die Thüringer Schulen mit modernen Lern- und Diskussionsangeboten zu stärken.
Tischner sagte, ein möglichst frühzeitiges Heranführen der Schülerinnen und Schüler an politische Bildung sei notwendig. Deshalb solle nicht nur der Geschichts- und Sozialkundelehrer über Fragen etwa zu Grund- und Menschenrechten oder zu demokratischen Prinzipien unterrichten. Alle Pädagogen könnten eingebunden werden, weil Demokratie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Bei Bedarf sei es zudem möglich, jeweils mehrere Viertelstunden zu einer Schulstunde zusammenzulegen.
Der Leiter der Regelschule „Robert Bosch“ in Arnstadt, Björn Nießen, begrüßte die erweiterten Möglichkeiten, ausgehend von den Alltagserfahrungen der Schülerinnen und Schüler politische Themen zu diskutieren. Das Format biete etwa die Chance, selbst im Physikunterricht das Pro und Contra zur Atomkraft und anderen Formen der Energieerzeugung zu behandeln.
Die Verfassungsviertelstunde ist eine Initiative, die im Schuljahr 2024/2025 in Bayern eingeführt worden ist. In Thüringen soll das Modell ab dem Herbst schrittweise an weiteren Schulen eingeführt werden.