Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald hat sich gegen romantisierende Jesus-Bilder ausgesprochen. Die historische Wirkung Jesu sei untrennbar mit seiner gewaltsamen Hinrichtung verbunden, betonte der Theologe im Interview mit der Zeitschrift "Publik-Forum": "Wenn Jesus im Bett gestorben wäre, würden wir heute seinen Namen nicht mehr kennen und kein Wort mehr über ihn verlieren."
Gerade das Scheitern Jesu mache einen wesentlichen Teil seiner Faszination aus, so Seewald weiter. "Die Faszination Jesu besteht ja auch darin, dass er eine gescheiterte Person ist und nicht auf der Seite derer steht, die alt und lebenssatt im Bett sterben." Gleichzeitig warnte der Dogmatiker davor, die christliche Erlösungslehre zu stark auf das Kreuz zu konzentrieren. Die Vorstellung, dass der Tod Jesu als notwendiges Opfer oder als eine Art Lösegeld zu verstehen sei, hält er für theologisch problematisch - davon "wahrt man besser einen intellektuellen Sicherheitsabstand".
